Lor-RhPfalz

Lothringen - Rheinland-Pfalz

Christian Wille / Interregionale Arbeitsmarktbeobachtungsstelle



  Quellen Links

Grenzgänger aus Frankreich nach Rheinland-Pfalz 1998-2008
Quelle: BA

Geographisch und strukturell bedingt existieren auch zwischen Lothringen und Rheinland-Pfalz seit vielen Jahrzehnten enge Arbeitsmarktverflechtungen. Diese bewegen sich jedoch auf einem weitaus niedrigeren quantitativen Niveau als im Saarland. So zählte Rheinland-Pfalz im Jahr 1970 bereits 2 293 Grenzgänger aus Frankreich (Roussel 1971), jedoch überschreiten sie bis heute nicht die 6 000er Marke.

In Rheinland-Pfalz zeichnen sich in den letzten zehn Jahren ähnliche Entwicklungen wie im Saarland ab. So entwickelt sich auch hier der Strom der einpendelnden Franzosen seit 2001 rückläufig. Eine erste Erholung war im Jahr 2007 zu beobachten (+0,3% im Vorjahrsvergleich), in 2008 schließlich steigen die Einpendlerzahlen mit einem Plus von 4,8% auf 5 134 Personen an.

Damit bewegt sich das Grenzgängeraufkommen aus Frankreich wieder auf dem Niveau der Jahre 2003 bzw. 2004. In diesem Zusammenhang ist zu unterstreichen, dass sich die Zahl der in Frankreich ansässigen Deutschen, die nach Rheinland-Pfalz zum Arbeiten kommen und 20% des Einpendlerstroms stellen, zwischen 2000 und 2008 von 741 auf 1 039 erhöht hat (40,2%).

Gleichzeitig sank die Zahl der einpendelnden Franzosen um 12,7%. Der Anteil der atypischen Grenzgänger und ihre Entwicklung sind zwar nicht allein ursächlich für den erneuten Anstieg der Einpendlerzahlen, jedoch konnten sie zwischen 2001 und 2006 den Einpendlerrückgang spürbar abfedern.

Die Verteilung der einpendelnden Grenzgänger aus Frankreich nach Arbeitsorten im Jahr 2008 zeigt eine Konzentration der Arbeitsplätze in Grenznähe. Über die Hälfte von ihnen (51,9%) arbeitet im Kreis Germersheim, mit weitem Abstand gefolgt von der Stadt Zweibrücken (14,8%).

Die besondere Rolle des Landkreises Germersheim mit seinen Industriestandorten verweist auf den nicht unerheblichen Anteil französischer Einpendler aus dem Elsass, die bereits seit den 1970er Jahren hier arbeiten. Besonders hervorzuheben ist die Gemeinde Wörth, die eine starke Industrialisierung durchlaufen hat.

Mit der Ansiedlung von Daimler-Benz und der Mobil-Oil-Raffinerie wurde damals ein Standort mit ca. 12 000 Arbeitsplätzen geschaffen. Anfang der 1980er Jahre kamen die bei Daimler-Benz beschäftigten französischen Grenzgänger vor allem aus Gemeinden der elsässischen Kantone Wissembourg, Haguenau, Bischwiller, Niederbronn, Lauterbourg und Soultz-sous-Forêts (Maier / Troeger-Weiss 1990: 276 u. 280).

Die rückläufige Entwicklung der Grenzgänger (2000-2008) macht sich besonders im Kreis Südwestpfalz (-60,3%), in der Stadt Pirmasens (-26%) und in der Stadt Zweibrücken (-13,7%) bemerkbar. Hingegen verzeichnete der Kreis Germersheim (1,7%) sowie die übrigen Kreise bzw. kreisfreien Städte (52,5%) einen Zuwachs, so dass für die Einpendler in Rheinland-Pfalz zwischen 2000 und 2008 ein Beschäftigungsschwund von "lediglich" 5,5% festgestellt werden kann.

Grenzgänger aus Frankreich nach Rheinland-Pfalz nach Arbeitsorten 2000-2008 (Landkreise / kreisfreie Städte)
Quelle: BA, Berechnungen IBA / OIE

Beschäftigungsentwicklung von Grenzgängern aus Frankreich nach Rheinland-Pfalz nach Wirtschaftszweigen 2000-2008 (Anzahl Arbeitsplätze)
Quelle: BA, eigene Berechnungen

Hinsichtlich der Grenzgänger in Rheinland-Pfalz ist analog zum Saarland auf ihre außerordentlich hohe Konzentration im verarbeitenden Gewerbe hinzuweisen. Wie in den Jahren zuvor sind die einpendelnden Franzosen in dieser Branche im Jahr 2008 zu rund 70% beschäftigt.

Des Weiteren weisen Handel und Reparatur sowie die unternehmensnahen Dienstleistungen mit 7,6% bzw. 6,9% vergleichsweise augenfällige Anteile der Grenzgängerbeschäftigung auf.

Zwischen 2000 und 2008 mussten Grenzgänger in Rheinland-Pfalz vor allem im verarbeitenden Gewerbe (-10,9%) und im Baugewerbe (-45%) Beschäftigungseinbußen hinnehmen.

Jedoch konnte der Beschäftigungszuwachs im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen (+132,9%) den Arbeitsplatzrückgang teilweise abfedern.