Ferraris-Karte

Ferraris-Karte (1771-1777)

 

 
Quellen Links
Stabskarte der österreichischen Niederlande und des Fürstbistums Lüttich

1770 schlug Joseph Johann von Ferraris (1726-1814), Direktor der Artillerieschule der österreichischen Niederlande, dem Kaiserhof vor, zu militärischen Zwecken ein topografisches Kartenwerk der österreichischen Niederlande zu erstellen.

Im Auftrag der Kaiserin Maria Theresia und des Kaisers Franz II. erstellte er in den Jahren von 1771 bis 1777 ein Kartenwerk der österreichischen Niederlande und des Fürstbistums Lüttich im Maßstab 1:11 520.

Das von Offiziersanwärtern aufgenommene Werk umfasst 275 handkolorierte Blätter im Format von etwa 135x85cm sowie einen zwölfbändigen militärischen und wirtschaftlichen Kommentar und war ausschließlich für den militärischen Gebrauch des Kaisers und seines Kabinetts gedacht.

Entsprechend der militärischen Zielsetzung wurde besonderer Wert auf die Darstellung der Verkehrswege gelegt, selbst Wege und Pfade sind namentlich bezeichnet.

1777/78 erschien eine verkleinerte Fassung für die Öffentlichkeit aus 25 Blättern im Maßstab 1:86 400.

Graf Joseph Johann von Ferraris, Feldzeugmeister der österreichischen Niederlande 1784
Quelle: Zeitgenössische Miniatur 

Beispiel für ein Blatt der Ferraris-Karte
Quelle: © Bibliothèque royale de Belgique
Institut géographique national 

Im Zuge der Revolutionskriege wurden die Druckplatten der Ferraris-Karte dem französischen Dépot de la Guerre ausgehändigt.

Dessen Leiter Calon schlug 1794 vor, die Cassini- und Ferraris-Karten nach Osten, also zum Rheinland hin fortzuführen, was schließlich die Erstellung der Tranchot-Müffling-Karte zur Folge hatte. 

Der 1773 zum Generalleutnant und 1784 zum Feldzeugmeister (Artillerie-Oberbefehlshaber) beförderte Ferraris wurde 1793 von Kaiser Franz II. zum stellvertretenden Vorsitzenden des k.k. Hofkriegsrats berufen.

Noch im selben Jahr verließ Ferraris die Armee und widmete sich nun der Erstellung exakter Karten des österreichischen Kaiserreichs. 1807 wurde er zum Geheimrat und Feldmarschall ernannt.

Je eines der drei handgefertigten Exemplare der Originialkarte befindet sich heute in Österreich, in den Niederlanden sowie in Belgien. Seit 1965 veröffentlicht die Bibliothèque royale de Belgique Reproduktionen der Ferraris-Karte, die an die Cassini-Karte Frankreichs (1750-1815) anschließt und die erste topographische Darstellung des heutigen Belgien darstellt. Die Karte deckt den größten Teil Belgiens sowie das Großherzogtum Luxemburg ab.

Sie ist ein wichtiges Dokument der landschaftlichen, siedlungshistorischen, politischen und wirtschaftlichen Situation der Region gegen Ende des 18. Jahrhunderts und damit vor den umwälzenden Veränderungen durch die industrielle Revolution.

Quellen


Belayew, D. u.a. 2004: Des hommes et des milieux de vie. Référentiel EDM 1re/2e; Brüssel, de Boek.

Lemoine-Isebau, C. 1969: La carte de Ferraris, les écoles militaires aux Pays-Bas et l’école d’hydraulique à Bruxelles. In: Revue Belge d’histoire militaire, t. 18 (1969), S. 73-93.

Lemoine-Isebau, C. 1998: La cartographie du territoire belge de 1780 à 1830, entre Ferraris et le Dépôt de la Guerre de Belgique, Bruxelles, Musée royale de l’Armée et d’histoire miliaire, coll., La cartographie au XVIIIe siècle et l’oeuvre du Comte de Ferraris (1726-1814): Actes du colloque tenu à Spa, Bruxelles, Crédit Communal, 1978.


Links


De Maeyer, P.: Les cartes de Ferraris external_link.png

Misson, J.-S. 2005: Les cartes Ferraris external_link.png

Ferraris-Karte beim Institut géographique national (IGN) Belgique external_link.png

Blattübersicht Ferraris-Karte (IGN Belgique) external_link.png

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