Wallonien

Das Gesundheitswesen in Wallonien

Ines Krumm

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In Belgien sind die verschiedenen Sprachgemeinschaften für das Gesundheitswesen zuständig. Die Französische Gemeinschaft hat ihre Kompetenzen allerdings an die Region Wallonien übertragen, während die Universitätskliniken jedoch weiterhin der Gemeinschaft unterstehen.

Obwohl einige Leitlinien, wie z.B. bei der Notfallversorgung, föderal vorgegeben sind, bestehen doch deutliche Handlungsspielräume bei den Sprachgemeinschaften und der Region Wallonien.

Ärzte
Die Ärztedichte liegt in Wallonien mit 371 Ärzten auf 100 000 Einwohner auf dem gleichen Niveau wie in Rheinland-Pfalz. Wallonien verfügt über 12 831 Ärzte - davon 5 136 Allgemeinmediziner, entsprechend 40%.

Die Zahl der Ärzte in Belgien stieg seit 1970 kontinuierlich. Während sich die Zunahme der Allgemeinmediziner zwischen 1990 und 2005 Jahren abschwächte, wuchs die Zahl der Fachärzte weiter deutlich.


Karte: Öffentliches Gesundheitswesen

Karte: Öffentliches Gesundheitswesen

Ines Krumm, Saarbrücken

Entwicklung der Zahl der Allgemeinmediziner und Fachärzte in Belgien1970-2005
Quelle: WHO 2007

Um eine Überversorgung zu vermeiden, wurden ab 1996 quantitative Beschränkungen für Medizinstudium und Zulassung zur ärztlichen Tätigkeit eingeführt. Wallonien stehen dabei 40 % der zugelassenen Plätze für Gesamtbelgien zu.

Diese Maßnahmen machen sich jedoch erst nach einiger Zeit bemerkbar, wenn mehr Mediziner in Ruhestand gehen als ihre Ausbildung beenden.

In einigen Fachgebieten bestehen immer noch regionale Überkapazitäten. So weist Wallonien die zweithöchste Ärztedichte (Ärzte je 100 000 Einwohner) in der Großregion auf. Wie in den anderen Regionen ist die räumliche Verteilung der niedergelassenen Ärzte an der Bevölkerungsdichte ausgerichtet.

Für die nächsten Jahre sind steigende Zulassungen in Wallonien vorgesehen. Die Region rechnet mit einem erhöhten Bedarf an Medizinern durch das prognostizierte Wachstum der Einwohnerzahl und die Alterung der Bevölkerung.  

Die wallonischen Provinzen Liège und Luxembourg, die an das Großherzogtum Luxemburg angrenzen, verlieren einen immer größer werdenden Teil ihres medizinischen Fachpersonals an das Großherzogtum, das mit guten Verdienstmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen lockt.

Die demografischen Faktoren und die zunehmende Zahl von Grenzpendlern muss bei der Festlegung der Zulassungsquoten frühzeitig berücksichtig werden, um eventuelle Engpässe bei der ärztlichen Versorgung zu vermeiden. 

Zahnärzte
Bei den Zahnärzten belegt Wallonien in der Großregion den 2. Rang nach dem Großherzogtum Luxemburg: 2 484 Zahnärzte (2007) entsprechen 72 je 100 000 Einwohner.

Technische Großgeräte
Bei der technischen Ausstattung kommen in Wallonien 80 390 Einwohner auf ein CT, 119 199 auf ein MRT und 864 194 auf ein PET.

In der Provinz Wallonisch-Brabant ist eine schwächere Versorgung mit medizinisch-technischen Großgeräten feststellbar. Diese Tatsache erklärt sich durch die Nähe zur Hauptstadt Brüssel, wo es es ein umfassendes medizinisches Angebot gibt.

Entwicklung der Zahl der Krankenhäuser und der Betten in Wallonien
Quelle: SPF Santé Publique 2009

Hôpital de la Citadelle, Liège
Foto: Flamenc

Stationäre Einrichtungen
In Wallonien, das über 20 802 Betten (2009) in 113 Einrichtungen - davon 62 Allgemeinkrankenhäuser - verfügt, wird eine Bettendichte von 169 erreicht. Ein Krankenhaus hat im Schnitt 184 Betten. Wie in Rheinland-Pfalz wird auf organisatorische Zusammenschlüsse von Krankenhäusern gesetzt.

In Wallonien ist in den letzten beiden Jahrzehnten ein starker Umbau des Krankenhaussektors erfolgt. Neben dem Rückbau von Betten sind Konzentrationsbestrebungen offensichtlich.

Kleine Krankenhäuser wurden geschlossen oder eingegliedert. Ein Teil der abgebauten Akutbetten wurde in geriatrische Pflege- und Betreuungsplätze umgewandelt. Zahlreiche Zusammenschlüsse und das Verbot von Kliniken mit weniger als 150 Betten sollen Kosten sparen und die Qualität verbessern.

Großkrankenhäuser und spezialisierte Kliniken finden sich besonders in den Städten Lüttich und Charleroi. Viele der früher selbstständigen Krankenhäuser haben sich dort zusammengeschlossen. Der Grad der Zusammenarbeit und die gewählte juristische Form variieren dabei.

Ziel ist es bei allen Kooperationen Doppel- oder Mehrfachstrukturen in einer Stadt zu vermeiden und stattdessen die Ressourcen der Fachabteilungen zu konzentrieren. Damit sollen Einsparungen erreicht werden und gleichzeitig die Qualität verbessert werden.

Die Deutschsprachige Gemeinschaft unterhält zwei eigene Krankenhäuser in Eupen und St. Vith. Einige Abteilungen dieser Krankenhäuser sind eher schwach ausgelastet. Den deutschsprachigen Bewohnern soll aber eine Versorgung in ihrer Muttersprache geboten werden.

In den Provinzen Luxemburg und Namur, die weniger stark besiedelt sind, stehen im Verhältnis zur Einwohnerzahl am wenigsten Betten zur Verfügung.

Krankenhausbetten je 1 000 Einwohner in den Provinzen Walloniens
Quelle: World Health Organisation Europe 2007

Rettungshubschrauber des Centre de Secours Médicalisé de Bra-sur-Lienne
Foto: C. Meunier

Private gewinnorientierte Kliniken bilden in Wallonien die absolute Ausnahme. Wichtige Träger sind vielmehr die Kommunen, die sich zu sogenannten Intercommunales zusammengeschlossen haben, um Krankenhäuser zu betreiben.

Intercommunales sind Zusammenschlüsse von mindestens zwei Gemeinden zur Bereitstellung von gemeinsamen Infrastrukturangeboten, sei es im sozialen oder technischen Bereich.

Quellen


World Health Organisation Europe. European Observatory on Health Systems and Policies (Hg.) (2007): Belgium Health System Review, Health Systems in Transition, Bd. 9 H. 2

Externe links 


Observatoire Transfrontalier de la santé Wallonie-Lorraine-Luxembourg G.E.I.E. "LLS": Coopération sanitaire transfrontalière, LuxLorSan external link

SPF Santé Publique (Service Public Fédéral Santé Publique, Sécurité de la Chaîne Alimentaire et Environnement)(2007a): Le nombre de dentistes généralistes agréés en Belgique au 31/12/2007, par région(sur base du lieu de domicile officiel), par province, par spécialité, suivant l’âge et le sexe, Stand: 31.12.2007 (Zugriff: 20.07.2009) external link pdf

SPF Santé Publique (Service Public Fédéral Santé Publique, Sécurité de la Chaîne Alimentaire et Environnement)(2007b): Le nombre de médecins généralistes agréés en Belgique au 31/12/2007, par région  (sur base du lieu de domicile officiel), par province, suivant l’âge et le sexe, Stand: 31.12.2007 (Zugriff: 20.07.2009) external link

SPF Santé Publique (Service Public Fédéral Santé Publique, Sécurité de la Chaîne Alimentaire et Environnement)(2007c): Le nombre de médecins spécialistes agréés en Belgique au 31/12/2007, par région  (sur base du lieu de domicile officiel), par province, par spécialité, suivant l’âge et le sexe, Stand: 31.12.2007 (Zugriff: 20.07.2009) external link

SPF Santé Publique (Service Public Fédéral Santé Publique, Sécurité de la Chaîne Alimentaire et Environnement)(2009): Liste des hôpitaux en Wallonie au 15-08-2009 external link pdf, Stand: 15.08.2009

WEC (Wissenschafts- und Entwicklungscentrum) des EURES-Transfrontalier Saar-Lor-Lux-Rheinland-Pfalz (2007): Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Gesundheitssektor in Saar-Lor-Lux-Rheinland-Pfalz. Bericht 2007, Saarbrücken: MKW, Stand: 2007 (Zugriff: 07.01.2009)(auch frz.) external link pdf

WEC (Wissenschafts- und Entwicklungscentrum) des EURES-Transfrontalier Saar-Lor-Lux-Rheinland-Pfalz (2006): EURES-T Studie: Gesundheitswesen und grenzüberschreitende Beschäftigung in der Großregion, Bestandsaufnahme des Gesundheitssektors in Saar-Lor-Lux-Rheinland-Pfalz, Mai 2006, Saarbrücken: MKW, Stand: Mai 2006 (Zugriff: 19.05.2009) external link pdf

World Health Organisation (WHO) Europe. European Observatory on Health Systems and Policies (Hg.) 2007: Belgium Health System Review, Health Systems in Transition, Bd. 9, Heft 2, Stand: 2007, (Zugriff: 03.08.2009) external link pdf