Medienwahrnehmung

Wahrnehmung der Großregion in den Medien (Überblick)

Patrick Wiermer

Einführung


Wie wird die Großregion jenseits der Grenzen von den Medien wahrgenommen? Am Beispiel der wichtigsten regionalen Tageszeitungen wird untersucht: Was sind für die Medien Nachrichten-Zentren, was informationelle Peripherien in den Nachbarregionen? Welche Themen sind dabei dominant? Die Karte basiert auf den Ergebnissen einer im Jahr 2008 angefertigten Diplomarbeit im Fach Kulturgeografie an der Universität des Saarlandes.

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Überblick


Die Medienlandschaft der Großregion ist vielfältig. Jede der Teilregionen besitzt eine vorherrschende Zeitung, in der die Region zumindest als eigener Lokalteil vertreten ist.

Die Zeitung ist aufgrund ihrer speziellen Lesegewohnheiten, der gewachsenen Leserstrukturen und ihrer vermittelnden Stellung inmitten der Informationsnetze (Agenturen, Korrespondenten) zwischen Leserinteresse, journalistischem Selbstverständnis und Informations(des)interesse von wirtschaftlichen und politischen Eliten das wichtigste "Fenster zur Welt".

Auch das Internet und die wirtschaftlichen Probleme der Verlagshäuser konnten dieser Position noch nicht viel anhaben. Die Zeitung schafft ein Weltbild, das keine politischen Grenzen kennt.

Karte: Wahrnehmung der Großregion in den Medien

Wahrnehmung in den Medien

Patrick Wiermer, Saarbrücken

Der "Républicain Lorrain" ist mit einer Auflage von rund 155 000 Exemplaren die in Lothringen meistgelesene Zeitung nach dem überregionalen "Est-Républicain"
Quelle:
Républicain Lorrain

Die Grenzen der Berichterstattung richten sich vornehmlich nach der auch räumlich zu verstehenden Frage: "Was ist für die Leser nah?" Hierbei spielen kulturelle, sprachliche und informationelle Barrieren die entscheidende Rolle.

In allen sechs Teilregionen der Großregion wurden Regionalzeitungen analysiert, in denen eine grenzüberschreitende Berichterstattung aufgrund des Verbreitungsgebietes zu erwarten war.

Mit Ausnahme des Trierischen Volksfreundes handelt es sich auch um die auflagenstärksten Zeitungen der jeweiligen Region.

Im Einzelnen: das Luxemburger Wort (Luxemburg), die Saarbrücker Zeitung/Pfälzischer Merkur (Saarland/Zweibrücken), der Trierische Volksfreund (Rheinland-Pfalz), Le soir (Wallonien), Grenz-Echo (Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens) und Républicain Lorrain (Lothringen).

Insgesamt wurden rund 15 000 Artikel  aus dem Januar 2008 über die digitale Archivsuche ausgewertet.

Ergänzt wurde die Arbeit mit Interviews mit leitenden Redakteuren, die ihre Wahrnehmung der Großregion aus praktischer Sicht beschreiben und alltägliche Probleme bei der grenzüberschreitenden Berichterstattung schildern.

 

Theoretische und methodische Grundlagen
Die theoretischen Grundlagen der Untersuchung liegen in der postmodernen Geografie, die Raum als ein diskursives Produkt begreift.

Methodisch lehnt sie sich an die Nachrichtengeografie an, einen in letzter Zeit ein wenig vernachlässigten kommunikationswissenschaftlichen Ansatz.

Das Luxemburger Wort erreicht mit einer Auflage von rund 75 000 Exemplaren täglich rund 47,1 % der Leser in Luxemburg
Quelle: Luxemburger Wort

Die "Saarbrücker Zeitung" erreicht mit einer Auflage von etwa 165 000 Exemplaren rund 500 000 Leser.
Quelle: SZ

Die Nachrichtengeografie hat ihre Wurzeln in der Diskussion um die new world information order in den 60er Jahren, die von den Ländern des postkolonialen Afrikas angestoßen wurde.

Sie zielt darauf ab informationelle Ungleichheiten und die Bildung von Stereotypen ("Afrika wird nur bei Katastrophen wahrgenommen") in den westlichen Medien aufzuzeigen. Weiterentwickelt wurde die Nachrichtengeographie von Klaus Kamps (1998).

Dieser Ansatz bietet sich an, um Zentren und Peripherien in der medialen Wahrnehmung der Großregion herauszuarbeiten.

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Quellen


Dünne, J. / Günzel, S. (Hrsg.): Raumtheorie, Frankfurt 2006.

Hedinger, V. / Weiland, A.: Radio an der Grenze. Die grenzüberschreitenden Programmleistungen von Radio Salü, Radio Melodie und Studio 1, Berlin 1998.

Herrmann, C.: Im Dienst der örtlichen Lebenswelt – lokale Presse im ländlichen Raum, Opladen 1993.

Kamps, K.: Nachrichtengeographie – Themen, Strukturen, Darstellung: ein Vergleich in: Kamps, K/ Meckel, M.: Fernsehnachrichten – Prozesse, Strukturen, Funktionen, Wiesbaden 1998, S.275 – 295.

Kamps, K: Politik in Fernsehnachrichten – Struktur und Präsentation internationaler Ereignisse. Ein Vergleich, Baden-Baden 1999.

Klüter, H.: Raum als Objekt menschlicher Wahrnehmung und Raum als Objekt sozialer Kommunikation in: Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft (1994), S.143-178.

Merten, K /Schmidt S.J. / Weischenberg, S. (Hrsg.): Die Wirklichkeit der Medien, Opladen 1994.

Riedel, H.: Wahrnehmung von Grenzen und Grenzräumen. Eine kulturpsychologisch-geographische Untersuchung im saarländisch-lothringischen Raum, Saarbrücken 1994. 

Schmidt, R.: Grenzüberschreitende Publizistik in Rundfunk, Tagespresse und Zeitschriften der Grossregion Saarland- Westpfalz- Lothringen-Luxemburg-Trier. Spiegel und Motor der Zusammenarbeit, Darmstadt 1978.

Treinen, H.: Symbolische Ortsbezogenheit: eine soziologische Untersuchung zum Heimatproblem in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 17 (1), Köln 1965, S.73-97.

Zur Nieden, P. (Hrsg.): Wahrnehmung von Nachbarschaft in der Großregion SaarLorLux durch Bürger und lokale Medien am Beispiel von QuattroPole – Ergebnisse einer Studie von Geografie-Studenten unter der Leitung von Peter zur Nieden, Trier 2007.

Externe Links


Zur Nieden, P. (Hrsg.): Wahrnehmung von Nachbarschaft in der Großregion SaarLorLux durch Bürger und lokale Medien am Beispiel von QuattroPole external link pdf

Républicain Lorrain external link

Saarbrücker Zeitung external link

Luxemburger Wort external link

Trierischer Volksfreund external link

Grenz-Echo external link

Le Soir external link