Saarbrücker Zeitung

Saarbrücker Zeitung

Patrick Wiermer

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Unterschiedlicher Blick auf die Großregion
Die Saarbrücker Zeitung erscheint in einer Druckauflage von 165 000 Exemplaren täglich außer sonntags (2009) und erreicht rund 500 000 Leser. Donnerstags ist die Veranstaltungsbeilage "Treff.Region" beigefügt, welche Terminhinweise und einige wenige redaktionelle Beiträgen bietet.

Neben der Hauptausgabe, die im Stammhaus in Saarbrücken bearbeitet wird, gibt es 11 Lokalredaktionen. Darüber hinaus besteht eine redaktionelle Zusammenarbeit mit dem Pfälzischen Merkur und seinen Lokalredaktionen Zweibrücken und Homburg.

Der Merkur wird daher mit in die Analyse miteinbezogen; es wird für beide Zeitungen als Sammelbegriff "Saarbrücker Zeitung" oder "SZ" verwendet. Im Saarland ist die SZ die führende Tageszeitung. Aus ihrem Haus stammen auch die Zeitung "20cent" und das 14täglich erscheinende Jugendmagazin "Potato".

Karte: Wahrnehmung der Großregion in den Medien

Medienwahrnehmung

Patrick Wiermer, Saarbrücken

Seit 2007 setzt die SZ auch auf einen massiven Ausbau crossmedialer Bestandteile. Neben der Internet-Community sol.de (meinsol.de) wird auch der Webauftritt saarbruecker-zeitung.de weiter ausgebaut. Mit den "Geonews" hat die SZ im Online-Bereich ein Applet eingeführt, das Nachrichten nach ihren Ereignisort kartografisch anzeigt – ein Ausdruck für die Wichtigkeit von Verortungen von Nachrichten.

In der letzten Zeit ging die Auflagenzahl der SZ wie bei vielen deutschen Tageszeitungen zurück. Allein zwischen dem 4. Quartal 2005 und dem 4. Quartal 2007 ging die Druckauflage von knapp 172 000 auf rund 165 000 Exemplare (-3,5 %) zurück. Der Anteil der Abonnenten liegt bei etwa 89 %. In den vergangenen Jahren kam es zu Umstrukturierungsprozessen in den Redaktionen. Seit 2007 erscheint die SZ in neuer Optik und verkleinertem Format.

Die Saarbrücker Zeitung setzt sich im Wesentlichen aus folgenden Teilen zusammen

1. Mantel: Titel, Wirtschaft, Politik, Sport
2. Region: Kultur, Regionales,
3. Lokales: Lokale Kultur, Lokalsport, Lokalpolitik
4. Sonderbeilagen: Motor, Reise, Immobilien
5. Anzeigen, Service und Termine (nichtredaktioneller Inhalt)

Die Saarbrücker Zeitung
Quelle: SZ

Bei der Auswertung der Ergebnisse der "Saarbrücker Zeitung" drückt sich der von dem Medium selbst gesetzte Schwerpunkt auf die regionale – saarländische – Berichterstattung deutlich aus.

Die Erhebung brachte 2 669 Gesamtnennungen aus der Großregion, die sich auf 1 385 Artikel und 138 Städte und Orte verteilen. Das Tochterblatt Pfälzischer Merkur liefert davon 1 414 Nennungen und stellt damit 62 Prozent aller Nennungen für Rheinland Pfalz.

Bei der absoluten Verteilung der Städte wird deutlich, dass die "Saarbrücker Zeitung" auf der Ebene der Großregion sehr unterschiedlich berichtet: Der mit Abstand größte Teil der Nennungen konzentriert sich auf das Dreieck Saarbrücken/Luxemburg/Metz.

Besonders auffällig bei der absoluten Verteilung ist vor allem, dass Wallonien fast nicht betrachtet wird. Eine Ausnahme bildet die Berichterstattung über die wallonischen Metropolen Charleroi, Namur und Lüttich, da die "Saarbrücker Zeitung" dort auch die großregionalen Entscheidungsprozesse oder besondere Ereignisse abbildet.

Verteilung der Lokalmeldungen
Mit einem Anteil an den Gesamtnennungen von rund 60 % nehmen die Meldungen aus den Lokalressorts den größten Teil der Auslandsberichterstattung ein. Damit berichtet die "SZ" auf lokaler Ebene im Vergleich mehr als das "Luxemburger Wort" jedoch weniger als der "Républicain Lorrain" von Ereignissen jenseits der Grenze.

Die anteilig gesehen meisten Meldungen in den Lokalressorts entfallen auf den saarländisch-luxemburgischen bzw. saarländisch-lothringischen Grenzsaum. Das sind die Regionen, in denen der Austausch zwischen den Gemeinden beider Seiten der Grenze am stärksten ist.

So entfallen die Meldungen aus der Stadt Luxemburg, dem Südosten des Großherzogtums und dem nördlichen Lothringen (Thionville) vor allem auf das Lokalressort "Merzig", aus der Region Bouzonville/Freyming-Merlebach auf die Ressorts "Dillingen" und "Saarlouis", aus der Region Sarralbe, Sarreguemines, Saint-Avold und Forbach auf "Saarbrücken" und Bitche auf die Lokalredaktion des Pfälzischen Merkurs in Zweibrücken.

Dabei geht es thematisch vor allem um "Soziales" – rund jede fünfte Meldung fällt in diesen Themenkomplex. Ein Indiz für eine starke allgemeine "soziale" Verquickung der entsprechenden Teile der Grenzregion.

Verteilung der "Service"-Meldungen
Über die Hälfte der Gesamtnennungen entfällt auf die Themenfelder Sport (7,7 %), Erholung und Freizeit (22,4%) sowie Termine und Ergebnisse (26%).

Bei den "Terminen und Ergebnissen", also rein nichtredaktionellen Serviceangeboten, hat die "SZ" den zweitgrößten Anteil aller untersuchten Zeitungen.

Dies hängt vor allem mit der Wochenbeilage "Treff Region" zusammen, die größtenteils Veranstaltungshinweise aus dem Saarland und der Großregion bietet.

Hier wird vielleicht auch der Mangel an Agenturmeldungen deutlich, der eine breitere und umfangreichere Berichterstattung möglicherweise einschränkt.

Verteilung der Meldungen aus der Großregion nach Themen

Lokalteil Zweibrücken des SZ-Tochterblatts Pfälzischer Merkur
Quelle: PM

Die Städte mit den höchsten Anteilen an Meldungen aus den oben genannten Bereichen befinden sich im Großherzogtum Luxemburg. Dabei gibt es vor allem zwei wichtige Teilbereiche:

Auf der einen Seite Luxemburg-Stadt und der Süden Luxemburgs mit dem Kulturzentrum Esch-sur-Alzette, welches vor allem auf die dortigen Konzerte und Kulturveranstaltungen zurückzuführen ist.

Auf der anderen Seite der Moselstreifen, der für Saarländer für Tagesausflüge interessant ist. Auffallend ist dabei die Wichtigkeit von kulturellen Institutionen bei der Nennungshäufigkeit: So entfallen alle Nennungen für das luxemburgische Städtchen Bech auf Hinweise auf Veranstaltungen in dem örtlichen Museum.

Wallonien spielt in den genannten Bereichen nur eine marginale Rolle – wird also touristisch wie sportlicher kaum wahrgenommen (außer Spa mit seinem Formel 1 – Circuit). 

Abschließend ist noch zu bemerken, dass der Sport im Vergleich zu den anderen Zeitungen insgesamt eine untergeordnete Rolle in der grenzüberschreitenden Berichterstattung der "SZ" spielt.

Themenvarianzen
Der starke Fokus auf wenige Städte und die starke lokale Bindung sorgen für die im Schnitt höchste Themenvarianz bei den Vergleichszeitungen. Über einen Ort berichtet die SZ im Schnitt in zwei verschiedenen Themenfeldern, was den höchsten Wert der Untersuchung darstellt.

Besonders hoch ist die Themenvarianz bei Metz und im Bereich des "Bassin houiller". Herausragend ist allerdings Luxemburg mit neun abgedeckten Themenfeldern.

Im Gegensatz dazu wird von vielen kleineren Orten in Luxemburg nur von einem Thema berichtet. Dies ist ein Ausdruck für einen starken Nachrichtenzentrismus. Die wallonischen Orte erreichen nur bei den größeren Zentren leicht erhöhte Varianzwerte und bleiben somit auch peripher.

Verteilung der "Störungs"-Meldungen
Bei den "Störungs"-Meldungen wird noch deutlicher, dass Wallonien für die "SZ" nur eine periphere Nachrichtenregion ist. Bei zwei Städten (La Louvière, Charleroi) ist der Auslöser der Meldung ein Unfall oder eine Straftat, bei einer weiteren (Sankt Vith) ist ein Unfall der Auslöser für eine von zwei Meldungen.

Ein weiterer kleiner "Katastrophenschwerpunkt" ist der Teil Lothringens zwischen Saint-Avold und der Achse Metz-Nancy. Durch die Stahlkrise rund um Mittal betrifft die Hälfte aller Meldungen aus Thionville ausschließlich Nachrichten zum Thema "Arbeitslosigkeit".

Delme und Pont-à-Mousson lieferten vor allem Meldungen zum Thema "Verkehrsprobleme" im Zuge winterlicher Straßenglätte. 

Verteilung der Meldungen aus der Großregion nach Mantelressorts

Lokale und regionale Zentren

Luxemburg – lokales und regionales Nachrichtenzentrum
Von allen für die SZ untersuchten Städten liefert Luxemburg mit 116 die meisten Meldungen. Die Themenvarianz erreicht neun Themenfelder, der höchste gemessene Wert dieser Untersuchung.

Dies ist ein Indiz dafür, dass Luxemburg ein wichtiger Bezugsort für das Saarland ist – und darüber hinaus noch mehr ist als ein reiner Ort zum Arbeiten. Am häufigsten wird die Stadt in Bezug auf "Soziales" (28 Meldungen/24%) genannt.

Ein weiteres Ergebnis: Alle Lokalressorts außer "Blieskastel" berichten von Ereignissen in Luxemburg-Stadt. "Merzig" blickt von allen Lokalredaktionen am häufigsten nach Luxemburg. Dieses Ergebnis spricht dafür, dass es sich bei Luxemburg um ein wichtiges lokales Zentrum handelt, allerdings mit Ausstrahlung ins gesamte Saarland. Die hohen Werte im Regionalressort "Region/Land" unterstreichen die erwartete Bedeutung Luxemburgs als regionales Nachrichtenzentrum.

Verteilung der Meldungen aus der Großregion nach Lokalressorts

Sarreguemines – lokales Nachrichtenzentrum
Die Stadt Sarreguemines liefert im Untersuchungszeitraum 42 Gesamtnennungen – und damit doppelt so viel wie die Metropole Nancy, ein Indiz für die große Bedeutung der lothringischen Grenzstadt in der grenzüberschreitenden Berichterstattung der "SZ".

Über Sarreguemines wird nicht nur mit relativer Permanenz, sondern auch mit großer Varianz berichtet. In sieben von neun Themenfeldern gab es Meldungen, wobei allerdings der Bereich "Erholung und Freizeit" (15 Nennungen) dominiert. Auch zehn Nennungen bei den "Terminen und Ergebnissen" deuten auf die wichtige Naherholungsfunktion der Stadt hin.

Sarreguemines ist trotz der hohen Zahl an Gesamtnennungen nur ein lokales Zentrum. Die Zahl der Meldungen in den Mantelressorts beschränkt sich auf zwei. Dazu kommen drei längere Veranstaltungshinweise im "Treff.Region".
Die meisten Meldungen (ca. 55 %) entfallen auf die Lokalressorts, dabei vor allem auf St. Ingbert, Homburg, Saarbrücken (wichtige Pendlerziele für Lothringer) und Zweibrücken. Das ist schon bemerkenswert, da Homburg und St. Ingbert relativ weit von der Grenze entfernt liegen.

Metz – regionales Nachrichtenzentrum
Die Stadt lieferte im Untersuchungszeitraum 52 Gesamtnennungen – den zweithöchsten Wert für die "Saarbrücker Zeitung". Die Themenstruktur der Nachrichten aus Metz ist insgesamt ausgewogen und erstreckt sich über sechs von neun Themenfeldern.

Eine kleine Einschränkung: Mehr als jeder fünfte Archivtreffer wurde bei den "Terminen und Ergebnissen" erzielt, was mit den Ergebnismeldungen der Spiele des FC Metz zusammenhängt.

Das Verhältnis von Lokal- zu Mantelmeldungen ist in etwa gleich (19 zu 15), was für eine stärkere Bedeutung von Metz auf regionaler Ebene spricht. Die Aufschlüsselung nach Ressorts unterstreicht die Tendenz:

Die Ressorts "Region/Land" und "Treff.Region/Sonderbeilagen" teilen sich die meisten Meldungen. Dazu kommt "Saarbrücken" als wichtigstes Lokalressort. Zwischen "Saarbrücken" und dem Ressort "Region/Land" gibt es fließende Übergänge bei der Aufnahme einer Meldung, so dass das Saarbrücker Ressort häufig regionale Nachrichten abbildet.

 

Meistgenannte Orte der Großregion: Verteilung nach Themen

 

Quellen

IVW Bericht 2/2005
IVW-Bericht 4/2007
 
Externe Links
meinsol.de