Migranten

Internationale Migranten und Migration (Überblick)

Birte Nienaber, Ursula Roos



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Einführung


Durch die Entwicklungen im Zuge des demographischen Wandels hin zu alternden und ethnisch-differenzierten Gesellschaften kommt der Migration derzeit und in Zukunft eine verstärkte Bedeutung zu. Die Migrationsprozesse sind aber keinesfalls ein Phänomen der Gegenwart, sondern prägten bereits im 19. Jahrhundert die einzelnen Teile der heutigen Großregion. Die Karten zeigen die Ausländeranteile an der Bevölkerung der Gemeinden sowie die Anteile der jeweils fünf wichtigsten Ausländergruppen in den Kreisen bzw. Arrondissements.

 

Überblick


Im Hinblick auf den demographischen Wandel und dem damit verbundenen Geburtenrückgang in einigen Teilen der Großregion gewinnt die Migration in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung.

Auch das derzeitige Bevölkerungswachstum ist in der Großregion neben dem Geburtenüberschuss vor allem auf erhebliche Wanderungsgewinne zurückzuführen.

Im Zeitraum von 1990 bis 2006 belief sich die Nettozuwanderung für die Großregion auf 558 500 Personen, wobei das Wanderungsgeschehen in den einzelnen Teilregionen in unterschiedlichem Ausmaß zur Bevölkerungsentwicklung beitrug.

Während Luxemburg bei Betrachtung der absoluten Zahlen hinter Wallonien und Rheinland-Pfalz zurückblieb, erreichte das Großherzogtum mit einer Nettozuwanderungsquote von 11,3 im Jahr 2006 den höchsten Wert, gefolgt von Wallonien (2,7), Rheinland-Pfalz (1,0) sowie Lothringen (-1,1) und dem Saarland (-2,0).

Karte: Internationale Migranten und Migration

Birte Nienaber, Ursula Roos, Universität des Saarlandes

Im lothringischen Dorf Farébersviller waren in den 50er Jahren rund 8 000 Gastarbeiter u.a. aus dem Maghreb und der Türkei angesiedelt worden. Sie errichteten sich in den 70er Jahren ein Kulturzentrum mit einer weithin sichtbaren Moschee.  

Die höhere Attraktivität einzelner Teilregionen, die sich in den unterschiedlichen Wanderungsgewinnen widerspiegelt, ist neben einer förderlichen Einwanderungspolitik und der wachsenden Mobilität der Erwerbspersonen vor allem auf die wirtschaftliche Entwicklung jeder Region zurückzuführen.

Aber auch in der Vergangenheit haben internationale Migrationsprozesse eine wichtige Rolle gespielt, so dass ein großer Teil der europäischen Gesellschaften als Einwanderungsgesellschaften bezeichnet werden können.

Historisch gesehen können die Migrationsprozesse in verschiedene Phasen untergliedert werden, die eng mit wirtschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen der Lebensqualität zusammenhängen.

Dazu gehörten in der Vergangenheit beispielsweise die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte, der Zuzug von Asylbewerbern und Flüchtlingen sowie das Phänomen der Grenzgänger. 

Zurückzuführen ist die Herausbildung dieser spezifischen Migrationsform auf die Lage der Großregion innerhalb Europas und die damit verbundene räumliche Nähe zu weiteren Staaten.

Aber auch der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt, das Schengener Abkommen sowie der damit verbundene Wegfall der Grenzen haben die Herausbildung der grenzüberschreitenden Migration erleichtert.

Des Weiteren ist speziell für Deutschland die Zuwanderung von (Spät-)Aussiedlern sowie für Lothringen und Wallonien der Zuzug von Personen aus maghrebinischen Ländern charakteristisch.

Wanderungssaldo Luxemburgs nach Herkunftsländern 1967-2010 (absolut)
Datengrundlage: Statec o.J.
 

Insbesondere türkische Einwanderer werden häufig als Kleinunternehmer tätig. Türkischer Modeladen im Saarland
Foto: U. Roos

Während zunächst im Zuge der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte die stärksten Wanderungswellen in die urbanisierten Bereiche erfolgten, war der ländliche Raum von untergeordnetem Interesse.

Unterschiede hinsichtlich des Ausländeranteils existieren nicht nur zwischen urbanen und ländlichen Räumen, sondern auch innerhalb den Teilen der Großregion.

Dies ist auf historische Entwicklungen der einzelnen Regionen zurückzuführen. So weist das Großherzogtum Luxemburg im Jahr 2011 mit 43,2 Prozent den mit Abstand höchsten Ausländeranteil auf.

Es folgen Wallonien mit 9,3 Prozent (2008), Lothringen mit 7,8 Prozent (2008), Rheinland-Pfalz mit 7,7 (2010) sowie das Saarland mit 7,6 Prozent (2010).