Saarland

Internationale Migranten und Migration im Saarland

Birte Nienaber, Ursula Roos



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In dem Zeitraum von 1946 bis 1996 wies das Saarland mit einigen Ausnahmen vor allem in den 1970er Jahren einen positiven Wanderungssaldo auf, der abgesehen von den starken Zuwanderungen in den Nachkriegsjahren im Jahr 1989 einen Spitzenwert von 12 501 Personen erreichte (vgl. Statistisches Landesamt Saarland 2000, S. 14).

Da der Wanderungssaldo sowohl Binnenwanderungen sowie internationale Wanderungen umfasst, ebbte bis Mitte der 1990er Jahre die Zuwanderung ins Saarland infolge des 1993 geänderten Asylrechts wieder ab (vgl. Statistisches Amt Saarland 2008, S. 13). Kamen 1993 insgesamt noch 12 938 Menschen aus dem Ausland ins Saarland, so waren es im Jahr 2006 mit 6 578 Zuzügen nur noch halb so viele (vgl. Ertl 2007a, S. 28).

Im Zeitraum von 2004 bis 2009 wies das Saarland durchgängig negative Wanderungssalden von bis zu -2 077 Personen auf (siehe 1. Abb.). Erstmals im Jahr 2010 konnte erneut wieder ein leicht positiver Wanderungssaldo von +190 Personen erzielt werden, wobei die einzelnen Landkreise unterschiedlich stark von diesem Wanderungssaldo profitieren.

So weisen lediglich der Regionalverband Saarbrücken (+495), der Saarpfalz-Kreis (+250) sowie der Landkreis Merzig-Wadern (+123) Wanderungsgewinne auf. Mit -394 Personen verzeichnet der Landkreis Neunkirchen die stärksten Wanderungsverluste, gefolgt von den Landkreisen Saarlouis und St. Wendel mit jeweils einem Verlust von -209 beziehungsweise -75 Personen (vgl. Statistisches Amt Saarland 2011a, S. 2). 

Karte: Internationale Migranten und Migration

Migration

Birte Nienaber, Ursula Roos, Universität des Saarlandes

Dennoch haben die in der Aufsummierung erheblichen Wanderungsgewinne dazu beigetragen, die seit den 1970er Jahren im Saarland negative natürliche Bevölkerungsentwicklung auszugleichen oder zumindest abzumildern, wobei seit 1996 das Geburtendefizit nicht mehr kompensiert werden kann (vgl. Von Hohnhorst 2007, S. 71).

Da sich die Wanderungsgewinne zu einem überwiegenden Teil aus dem Zuzug von Personen aus dem Ausland ergeben, wird im Folgenden nur noch auf internationale Wanderungen eingegangen. Neben der EU-Binnenmigration sind dies zum Beispiel Asylbewerber, Flüchtlinge sowie Aussiedler, aber auch Arbeitsmigranten, ausländische Studierende und Familiennachzüge von Drittstaatangehörigen (vgl. Ertl 2007b, S. 13). Auf die Gruppen der ausländischen Arbeitnehmer, der Aussiedler sowie die der Asylbewerber und Flüchtlinge wird zu einem späteren Zeitpunkt näher eingegangen.

Nach Angabe des Statistischen Amts Saarland (2011b, S. 1) stieg im Jahr 2010 die Zahl der ausländischen Bevölkerung im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 % auf 77 710 Personen an. Dies entspricht einem Ausländeranteil von 7,6 %, der um 0,7 Prozentpunkte unterhalb des Bundesdurchschnitts liegt (vgl. Statistisches Amt Saarland 2011b, S. 1, Statistisches Amt Saarland 2011c & Statistisches Bundesamt 2011, S. 25).

Wanderungen über die Landesgrenzen des Saarlandes 1995-2010
Datengrundlage Statistisches Amt Saarland 2011a, S. 2

Während im Jahr 2010 vor allem die Zahl der Bürger aus EU-Staaten zugenommen hat, ist die Zahl von Einwanderern aus den übrigen Ländern rückläufig. Der stärkste Rückgang wird bei Personen aus der Türkei beobachtet, deren Zahl sich im Vergleich zum Vorjahr um 414 auf rund 12 000 Personen reduzierte.

Deutliche Zuwächse werden hingegen besonders bei Personen aus osteuropäischen Ländern verzeichnet. So nahm die Zahl der Rumänen 2010 mit 29,5 % am stärksten zu, gefolgt von Personen aus Bulgarien (21,6 %) und mit deutlichem Abstand Polen (7,4 %) (vgl. Statistisches Amt Saarland 2011b, S. 1). Dies führt zu einer äußerst heterogenen Gruppe, wobei mit knapp 18 100 beziehungsweise 12 000 sowie mehr als 6 500 Personen die Italiener, Türken und Franzosen die größten Gruppen der nichtdeutschen Bevölkerung darstellen (vgl. Ertl 2007b, S. 13 & Statistisches Amt Saarland 2011b, S. 1).

Demnach handelt es sich bei der Verwendung des Begriffs „Migranten“ nicht um eine homogene Gruppe. Ebenso variiert deren räumliche Verteilung innerhalb des Saarlands stark. Räumlich gesehen erfolgten zunächst die stärksten Wanderungswellen in die urbanisierten Bereiche des Saarlandes, da diese zum einen über die meisten Arbeitsplätze verfügten, zum anderen aber auch das größte Wohnangebot zu Verfügung stellten. So wohnt die Mehrheit der Personen ausländischer Staatsangehörigkeit in den Städten Saarbrücken, Völklingen, Saarlouis sowie Dillingen und damit entlang der Saarschiene.

Gerade in der Stadt Völklingen ist mit 15,1 % im Jahr 2008 der Ausländeranteil besonders hoch (vgl. Hartmann 2010: 8). Dies lässt sich unter anderem durch eine starke Zuwanderung der ausländischen Arbeitnehmer in die dortige Industriegesellschaft erklären, die bereits vor dem 1. Weltkrieg mit der Anwerbung italienischer Arbeitnehmer für den Eisenbahnbau begonnen hat (vgl. Jurecka 1998: 37).

Der ländliche Raum war aufgrund seiner geringen Industrialisierung zunächst von untergeordnetem Interesse. Dennoch haben sich auch dort die Ausländeranteile in den vergangenen Jahren erhöht (vgl. Jurecka 1998: 37). So findet sich beispielsweise in Schmelz eine Vielzahl türkischer Personen, die als Gastarbeiter in den 1960er und 1970er Jahren gezielt von der ortsansässigen Firma Meiser angeworben wurden, charakterisiert (vgl. Nienaber & Roos 2012, S. 97). Aber auch atypische Grenzgänger sowie Aussiedler und Spätaussiedler siedeln sich in den ländlichen Räumen des Nordsaarlands aber auch in Püttlingen an (vgl. Hartmann 2010: 8).

In der Bundesrepublik Deutschland sind die Zuständigkeiten für die Migrations- und Integrationspolitik klar definiert. Während die Migrationspolitik in den Zuständigkeitsbereich der Bundespolitik fällt, sind die Bundesländer für die länderspezifische Integrationspolitik verantwortlich. Aufgrund dieser Verantwortung hat das Thema Integration in den letzten Jahren eine Aufwertung in der saarländischen Landespolitik erfahren.

So wurden mit der Einrichtung eines eigenen Referats für Integration im Jahr 2001 die institutionellen, organisatorischen sowie personellen Voraussetzungen für die Planung und Steuerung der Integration geschaffen. Eingebunden wurde dieses Referat in das Ministerium für Bildung, Familie, Frauen und Kultur, wodurch zum einen die wichtige Verknüpfung zwischen Zuwanderung und Integration geschaffen, zum anderen aber auch eine leichtere Vernetzung mit anderen integrationspolitischen Handlungsfeldern sichergestellt werden konnte.

Neben den Grundsatzfragen der Integration umfasst das Referat aber auch Aufgaben wie die Erstellung und Umsetzung von Integrationskonzepten sowie die Förderung von Integrationsmaßnahmen und –projekten. 2005 wurde das erste Landesintegrationskonzept verabschiedet, das Ziele und Grundsätze der Integrationspolitik, wichtige Handlungsfelder, die jeweilige Bedarfsituation, Angebote sowie Maßnahmen und langfristige Perspektiven enthält.

Wichtige Grundsätze der Integrationspolitik sind unter anderem die gleichberechtigte Teilhabe von Zuwanderern am gesellschaftlichen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Leben ohne Aufgabe der eigenen kulturellen Identität sowie die Auffassung der Integration als wechselseitigem Prozess, zu dem auch jedes Mitglied der einheimischen Gesellschaft einen Beitrag leisten kann.

Saarländische Landesaufnahmestelle Lebach
Foto : U. Roos 2011

Verbunden mit der Verabschiedung des Integrationskonzeptes war die Einführung eines Landesintegrationsbeauftragten, bei dem alle wesentlichen Informationen über integrationspolitisch relevante Aktivitäten der Ministerien und besonders bezüglich der Umsetzung des Landesintegrationskonzeptes zusammenlaufen. Zur erste Landesintegrationsbeauftragte wurde Frau Gaby Schäfer berufen (vgl. Ministerium für Arbeit, Familie, Prävention, Soziales und Sport o.J., Ministerium für Inneres, Familie, Frauen und Sport 2005, S. 6-7).

Schon vor den großen Wanderungsprozessen in den 1960er und 1970er Jahren existierten im Saarland wichtige internationale Wanderungen wie zum Beispiel die Einwanderung der Hugenotten. Die Migrationsbewegungen des Saarlandes wurden in den 1960er und 1970er Jahren maßgeblich durch die Anwerbung von Gastarbeitern bestimmt. Mit dem sogenannten „Wirtschaftswunder“ in den 1950er-Jahren in der Bundesrepublik Deutschland wuchs auch der Bedarf an zumeist un- oder angelernten Arbeitskräften. Da dieser Bedarf durch das inländische Arbeitskräfteangebot nicht mehr ausreichend gedeckt werden konnte, wurden in der Folge Anwerbevereinbarungen mit Italien (1955), Spanien und Griechenland (1960), der Türkei (1961), mit Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968) abgeschlossen (vgl. Bundesministerium des Innern 2011, S. 14).

Die ausländischen Arbeitnehmer aus dem Mittelmeerraum wurden als „Gastarbeiter“ bezeichnet, da ihr Aufenthalt zunächst lediglich vorübergehend sein sollte und eine Rückkehr in das jeweilige Heimatland angestrebt wurde („Rotationsprinzip“). Aus diesem Grund war die Anwerbepolitik auf eine befristete Zuwanderung ausgerichtet, die den Mangel an Arbeitskräften in bestimmten Industriezweigen ausgleichen sollte (vgl. Butterwegge 2005).

Neubaugebiet für Luxemburger im saarländischen Grenzdorf Perl mit Blick auf das benachbarte luxemburgische Moselufer
Foto: © GR-Atlas

Während bereits 1955 in der Bundesrepublik Arbeitsmangel herrschte und Italiener angeworben wurden, zeichnete sich im Saarland die Kohlenkrise mit einem Arbeitsplatzabbau im Bergbau ab. Verspätet zur übrigen Bundesrepublik stieg im Saarland erst in der Zeit von 1960 bis 1965 die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte von 13 000 auf 23 007 an. Dabei stellen Italien mit 14 600 und die Türkei mit 645 Personen sowie das ehemalige Jugoslawien mit 362 Personen drei wichtige Gastarbeiternationen dar.

Aber auch den 3 534 französischen Erwerbspersonen, die traditionell zu einem großen Teil Grenzgänger waren, kam eine bedeutende Rolle zu (vgl. Statistisches Amt des Saarlandes 1965: 4-5). Im Zuge der bundesweiten Wirtschaftskrise 1966/1967 sank die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer innerhalb von drei Jahren von 23 007 im Jahr 1965 auf 17 452 im Jahr 1967 (vgl. Statistisches Amt des Saarlandes 1967: 2).

Es folgte im Zuge der wirtschaftlichen Hochkonjunktur ein Anstieg auf 23 643 (1973) ausländische Beschäftigte, was mit einem Höchststand der türkischen Arbeitnehmer von 3 930 Personen einherging (vgl. Statistisches Amt des Saarlandes 1973: 5). Seit dem Höchststand im Jahr 1973 ist die Zahl der ausländischen Arbeiter im Saarland mit einigen wirtschaftszyklischen Schwankungen rückläufig. Besonders hohe prozentuelle Rückgänge wurden bei Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien verzeichnet, während die Italiener als die stärkste Ausländergruppierung die geringsten Schwankungen aufwiesen (vgl. Hartmann 2010: 7).

Auch Aussiedler sowie Spätaussiedler spielen im Saarland eine wichtige Rolle. So stieg die Zahl der Aussiedler aus ost- und südosteuropäischen Ländern im Jahr 1977 gegenüber den Vorjahren an. Während im Jahr 1974 255 Personen aufgenommen wurden, waren es im Jahr 1977 insgesamt 580 Personen. Verursacht wurde die Steigerung der Aufnahmezahlen insbesondere durch Aussiedler aus der Volksrepublik Polen, deren Anzahl von 134 Personen im Jahr 1974 auf 449 Personen im Jahr 1977 anstieg.

Dem Saarland wurden in diesem Jahr 1,07 % aller im Bundesgebiet aufgenommenen Aussiedler zugeteilt, so dass die Aufnahmequote des Saarlands von 2,5 % nicht erreicht wurde. Dies hing mit stärkeren familiären Bindungen der aufgenommenen Personen in andere Bundesländer zusammen. Ebenso wirkte sich aber auch die schwierige Arbeitsmarktsituation bei der Aufnahme von freien Verteilungsfällen nachteilig aus (vgl. Minister für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung 1978: 1).

Bis 1980 wurden leicht rückläufige Zahlen verzeichnet, ehe 1981 insgesamt 842 Aussiedler und DDR-Zuwanderer aufgenommen wurden. Der erhebliche Anstieg gegenüber dem Vorjahr, 1980 waren es 391 Personen, ist zum einen auf die verstärkte Ausreise von Deutschen aus der Volksrepublik Polen und zum anderen durch die gestiegene Zahl von DDR-Zuwanderern zurückzuführen. Bereits 1982 sank die Zahl der aufgenommen Aussiedler und DDR-Zuwanderer verglichen mit dem Vorjahr um 46 % auf insgesamt 452 Personen, wobei dies mit einem Rückgang der Aussiedlerzahlen aus der Volksrepublik Polen und der UdSSR verbunden ist (vgl. Minister für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung 1981 & 1982: 1).

In den Jahren bis 1987 kamen insgesamt 2 707 Aussiedler sowie 1 031 DDR-Zuwanderer in das Saarland (vgl. Landrat des Kreises St. Wendel: 41). Diese wurden bis zur wohnungsmäßigen Eingliederung in der Landesaufnahmestelle Lebach und in den dazugehörigen Dependancen in Homburg, Saarbrücken und St. Wendel untergebracht (vgl. Minister für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung 1988: 4).

Derzeit leben über 40 000 Spätaussiedler im Saarland. Ihre genaue Zahl ist schwer zu bestimmen, da sie nach dem Gesetz die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und somit als Deutsche gelten. Ein großer Teil dieser Personen stammt aus Russland sowie Kasachstan und ist Nachkomme deutscher Siedler, die im 18. Jahrhundert nach Russland gezogen waren und während des 2. Weltkriegs nach Kasachstan umgesiedelt wurden (vgl. Hartmann 2010: 7-8).

Eine weitere Zuwanderungsgruppe stellen Asylbewerber und Flüchtlinge dar, wobei aufgrund fehlender Datenlage lediglich der Zeitraum bis 2004 betrachtet werden kann. Die Aufnahmequote für das Saarland betrug im Jahr 2004 1,4 %. Ein Vergleich der Zuzugszahlen der Asylbewerber und Flüchtlinge von 1995 bis 2004 zeigt, dass die Zahlen der ankommenden Asylbewerber seit 1996, mit einem Anstieg im Jahr 2001, generell rückläufig sind (s. Tabelle).

Insbesondere türkische Einwanderer werden häufig als Kleinunternehmer tätig. Türkischer Modeladen im Saarland
Foto: U. Roos
Allein in dem Zeitraum von 2002 bis 2003 reduzierte sich die Zahl um knapp 30 % (vgl. Institut für Entwicklungsforschung, Wirtschafts- und Sozialplanung 2005, S. 9). Insgesamt wurden 2003 788 Asylanträge bearbeitet, wobei es sich bei 633 Anträgen um Erstanträge handelte. Mit 178 gestellten Asylanträgen stellt die Türkei das Hauptherkunftsland, gefolgt von dem damaligen Serbien und Montenegro mit 125 sowie China mit 85 Anträgen. Es folgen an vierter und fünfter Stelle der Irak beziehungsweise die Russische Föderation sowie weitere Staaten. 

Ein Vergleich der Anerkennungsquote des Saarlands mit dem Bundesdurchschnitt zeigt, dass diese im Saarland 2003 mit 1,1 % 0,5 Prozentpunkte unterhalb des Wertes der Bundesrepublik lag. So wurden saarlandweit 10 Asylbewerber als Asylberechtigte anerkannt, die aus der Türkei, dem Iran, der Russischen Föderation sowie dem Irak stammten. 65,1 % der Asylanträge wurden abgelehnt, bei 2 % wurde Abschiebeschutz gewährt und bei 1,5 % Abschiebungshindernisse festgestellt. In den restlichen Fällen (30,3 %) erfolgten sonstige Verfahrenserledigungen wie beispielsweise die Einstellung durch Einbürgerung (vgl. Institut für Entwicklungsforschung, Wirtschafts- und Sozialplanung 2005, S. 10, 11).

Nach einem Rückgang der Zahl der Abschiebungen in den Jahren von 2000 bis 2002 stieg diese im Jahr 2003 erneut an. So wurden insgesamt 303 Asylbewerber sowie 106 weitere Ausländer abgeschoben. Davon stammten die meisten Personen aus der Türkei, deren Anteil an allen Abschiebungen 37 % betrug. Es folgten mit 19 beziehungsweise 7 % die Herkunftsländer Kosovo und Vietnam (vgl. Institut für Entwicklungsforschung, Wirtschafts- und Sozialplanung 2005, S. 15).

Zuzugszahlen Asylbewerber/innen und Flüchtlinge 1995-2003
Datengrundlage: Institut für Entwicklungsforschung, Wirtschafts- und Sozialplanung 2005, S. 9

In den beiden saarländischen Landesgemeinschaftsunterkünften lebten im April 2004 1 607 Asylbewerber und Flüchtlinge, darunter 1 343 in der Landesaufnahmestelle in Lebach (s. Foto oben) und 264 in Homburg, welche aber im Sommer 2004 geschlossen wurde.

Den größten Teil der dort lebenden Personen stellten mit 53 % abgelehnte Asylbewerber mit einer Duldung dar. Es folgen mit 46 % Personen, die sich in einem laufenden Verfahren befanden. Weniger als ein Prozent verfügte über eine Aufenthaltsbefugnis und nur eine Person war im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis. Werden die Bewohner in den Landesgemeinschaftsunterkünften nach ihrer Herkunft differenziert, stellten das ehemalige Jugoslawien beziehungsweise Serbien und Montenegro die Hauptherkunftsländer dar. Aus der Türkei und China stammten 18 beziehungsweise 9 %, gefolgt von Syrien, dem Irak und den ehemaligen GUS-Staaten.

Die Verweildauer der Asylbewerber in den Landesgemeinschaftsunterkünften umfasste bei der Mehrheit einen Zeitraum zwischen einem und fünf Jahren. Während lediglich 17 % der Asylbewerber weniger als 6 Monate dort wohnten, lebten 11 % der Personen länger als fünf Jahre in diesen Unterkünften (vgl. Institut für Entwicklungsforschung, Wirtschafts- und Sozialplanung 2005, S. 23, 26).

Eine besondere Rolle spielen aber auch grenzüberschreitende Wanderungen, die durch die Lage des Saarlandes in der Großregion begünstigt werden. Verglichen mit dem Vorjahr erhöhte sich demnach die Zahl der Franzosen in 2010 um 1,6 % und die der Luxemburger um 10,2 % (vgl. Statistisches Amt Saarland 2011b, S. 1). Die Zuwanderung der Luxemburger ins Saarland ist ein relativ neuer Trend des vergangenen Jahrzehnts, der sich in den letzten Jahren verstärkte. So hat sich im Zeitraum von 2003 bis 2010 die Zahl der im Saarland lebenden Luxemburger mehr als verdreifacht (vgl. Statistisches Amt Saarland 2011d).

Hiervon ist in besonderem Maße der grenznah gelegene Landkreis Merzig-Wadern im nordwestlichen Teil des Saarlandes betroffen. Er verzeichnet seit einigen Jahren einen stetigen Anstieg von sogenannten Wohnmigranten aus Luxemburg (vgl. Frys & Nienaber 2011). Diese grenzüberschreitenden Migranten werden als „atypische Grenzgänger“ bezeichnet, da sie ihren Wohnort in das Nachbarland verlagern, aber weiterhin in ihrem Heimatland arbeiten (vgl. Beitrag Atypische Grenzgänger, Christian Wille).

Bevorzugt werden meist Gemeinden entlang von günstigen Verkehrsachsen, da eine gut ausgebaute Infrastruktur entlang der Grenze die täglichen Pendlerbewegungen begünstigt (vgl. Ramm 1999, S. 111). So weist die Grenzgemeinde Perl im Landkreis Merzig-Wadern mit 26 % einen für ländliche Räume außergewöhnlich hohen Ausländeranteil auf, der vor allem durch die atypischen Grenzgänger aus Luxemburg hervorgerufen wird (vgl. Bertelsmann Stiftung o.J., Nienaber & Roos 2012, S. 97).

Dies spiegelt sich auch in einer hohen Neubauquote der Nichtdeutschen wider, was eine Besonderheit des atypischen Grenzgängerwesens darstellt. Sie gründet in Preisunterschieden sowie Unterschieden auf dem Wohnungsmarkt. Hinsichtlich der erhöhten Bautätigkeit der Grenzgänger und deren Konsequenzen für die Gemeinde wurden im Jahr 2009 in der Gemeinde Perl Vergaberichtlinien für die Überlassung von Wohnbaustellen formuliert.

Diese sehen vor, dass zur Wahrung der Identität der Ortsteile vorrangig ortsansässige Bewerber bei der Vergabe von Wohnbaustellen berücksichtigt werden. Erst wenn der Eigenbedarf aus der Gemeinde gedeckt ist, werden weitere Interessenten berücksichtigt, wobei diese erhöhte Quadratmeterpreise für Bauland zahlen müssen (vgl. Gemeinde Perl 2009: 1). So liegt der Kaufpreis zur Zeit für ortsansässige Käufer bei 82,50 €/m² und entsprechend bei 107,50 €/m² für andere Bewerber (vgl. Gemeinde Perl o.J.).

Türkisches Lokal im Saarland
Foto: U. Roos