Mittelrheintal

Tourismus im Mittelrheintal

Florian Wöltering

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Der Mittelrhein liegt im Nordosten der Großregion, in Rheinland-Pfalz, und erstreckt sich über etwa 120 Kilometer von Bingen über Koblenz bis Bonn. Auf dieser Strecke durchbricht der Rhein das Rheinische Schiefergebirge und trennt damit Eifel und Hunsrück im Westen vom Westerwald und Taunus im Osten.

Im Windschatten der westlichen Höhenzüge gelegen kann der Mittelrhein als klimatischer Gunstraum bezeichnet werden. Im Jahresmittel fallen bei 9,5°C mancherorts weniger als 600 mm Niederschlag; es herrscht speziell im Vergleich zu den angrenzenden Hochflächen ein deutlich trockeneres und milderes Klima.

Landschaftlich zeichnet sich der Mittelrhein durch die beiden Talabschnitte des Oberen und Unteren Mittelrheintals aus, die zwischen Koblenz und Andernach durch das Mittelrheinische Becken getrennt werden.


Karte: Tourismus

Tourismus

Florian Wöltering, Aachen

Bedingt durch die schnelle Anhebung des Rheinischen Schiefergebirges im Quartär schnitt sich der Rhein tief in die Gesteinsmassen ein und schuf das heutige mäanderförmige Engtal, welches besonders durch seine schroffen Felsformationen und sehr steilen, hohen und waldbewachsenen Hänge im Oberen Mittelrheintal auffällt.

Ein vom Menschen geschaffenes und vielerorts sichtbares Element der Kulturlandschaft ist der Weinbau auf den sonnenexponierten Steillagen des Tals. Der dortige Weinbau und somit die Fläche der rebenbesetzten Hänge sind seit den 60er Jahren jedoch stark rückläufig, was nicht zuletzt auch mit der hohen Arbeitsintensität in solchen Lagen zu erklären ist. Im Oberen Mittelrheintal ist die Anbaufläche um 80% geschrumpft, so dass heutzutage nur noch auf 450 ha Wein angebaut wird. 

Rheinschleife bei Boppard
Foto: Piel Media,
© Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH

Neben den Weinbergen verleihen die zahlreichen Burgen, Türme und Residenzen dem Rheintal seinen unverwechselbaren Charakter, oft finden sie sich weithin sichtbar auf den Höhenzügen oder in Hanglage.

Die Kulturlandschaft wird komplettiert von den vielen kleineren und größeren Ortschaften entlang des Rheins.

Trotz der seit dem Zweiten Weltkrieg zunehmenden Zersiedlung lässt sich auch weiterhin der mittelalterliche Ursprung der Ortschaften erkennen.

Im Zusammenspiel erzeugen all diese Elemente eine einmalige Landschaftskulisse, deren südlicher Teil, das Obere Mittelrheintal, seit 2002 den Titel des UNESCO-Weltkulturerbes external link trägt, und deren Faszination nicht erst in der heutigen Zeit die Touristen anlockt.

Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts lässt sich in dieser Region "moderner" Tourismus beobachten. Angefacht wurde das Interesse am Oberen Mittelrheintal Ende des 18. Jahrhunderts durch Künstler und Schriftsteller. Mit ihren Darstellungen halfen sie, den ehemals mit seinen Stromschnellen, Riffen und Klippen als gefährlich geltenden Rheinabschnitt in den"romantischen Rhein" umzudeuten.

Das Ende der Hegemonie des napoleonischen Frankreichs und damit das Ende der Kontinentalsperre sorgten politisch für die nötigen Voraussetzungen für Erkundungen dieser Region. Nach längerer Zeit war es den Briten wieder vergönnt, das europäische Festland zu bereisen. Dies taten sie in den folgenden Dekaden mit Begeisterung und wurden so zu den ersten Touristen des Rheintals.

Das deutsche Interesse an der Region ließ nicht lange auf sich warten. Durch das Aufkommen neuer Fortbewegungsmittel – wie dem Dampfschiff, welches ab 1827 im Liniendienst den Rhein befuhr, und der Eisenbahn – wurde der Flussabschnitt des Oberen Mittelrheintals touristisch erschlossen.

Die Preußisch-Rheinische-Dampfschifffahrtsgesellschaft verbuchte 1856 bereits 1 Mio. Passagiere, und empfahl der Reiseführer in dieser Zeit zwischen Bingen und Koblenz noch 40 Gasthöfe, waren es 1879 mit 72 schon fast doppelt so viele Gasthöfe als Folge der steigenden touristischen Nachfrage.

Das Empfinden des Be- bzw. Durchreisen des Mittelrheintals als landschaftliches Erlebnis hat bis heute nicht nachgelassen. Das Aushängeschild ist der Rheinsteig external link. Darüber hinaus existiert mit dem Rheinburgen-Wanderweg (als weiterer Fernwanderweg) und den diversen lokalen Wander- und Themenrouten (z. B. Weinwanderwege) ein breites Netz an Wanderwegen external link, das in die angrenzenden Regionen hinein reicht und an andere Fernwanderwege anknüpft, z. B. den Limeswanderweg external link ab Bad Hönningen. So wird das Mittelrheintal aus seiner regionalen Insellage befreit.
Schiff auf dem Rhein
Foto: © Eike Wilke 

Entlang des Rheins kann aber nicht nur gewandert, sondern auch mit dem Fahrrad gefahren werden. Auf dem Rhein-Radweg lässt sich der Strom linksrheinisch seit 2005 auf seiner ganzen Strecke verfolgen. Weitere Radwanderwege knüpfen in den Tälern der Rheinzuflüsse an den Rhein-Radweg external link an, so dass auch auf andere Routen gewechselt werden kann.

Und letztlich bietet der Rhein selbst die Möglichkeit, das Tal zu durchqueren und vom Deck eines Schiffes die Landschaft an sich vorbeiziehen zu lassen. Acht verschiedene Reedereien bieten Ausflugsfahrten und Linienfahrten external link auf dem Rhein auf verschiedenen Streckenabschnitten an.

Die Tourismusregion Mittelrheintal (2008)
Datenbasis: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Neben dem Durchreisen und Erleben der Natur und Kulturlandschaft des Mittelrheins sind die Burgen, Ruinen und Schlösser entlang des Stromes ein Touristenmagnet. Die Mehrzahl der über 40 Burgen ist für die Touristen zugänglich, teilweise sogar mit freiem Eintritt. Oft wird die Attraktivität mit der Angliederung von beispielsweise einem Museum, einem Hotel oder einem Restaurant external link erhöht.

Die Gastronomie in der Region hat sich in ihrem Angebot häufig von der Kulturlandschaft inspirieren lassen, weshalb vor allem dem Wein als regionstypische Spezialität und landschaftsprägendes Element eine besondere Bedeutung zukommt.

Den Weinbauern selbst bietet der Tourismus eine zusätzliche Absatzmöglichkeit über den Direktvertrieb. In zahlreichen Straußwirtschaften external link schenken sie den vor Ort produzierten Wein an ihre Gäste aus und sorgen zugleich für ein weiteres touristisches Highlight der Region.

An aufsehenerregenden Events fehlt es in der Region nicht. Die Veranstaltung "Rhein in Flammen", bei der an den Orten entlang des Stromes nacheinander Feuerwerke gezündet werden, ist über Rheinland-Pfalz hinaus bekannt. Gleiches gilt für den Karneval. Mit Koblenz und Andernach liegen gleich zwei der größeren Karnevalszentren im Mittelrheintal. Auch die für bis zu 18 000 Besucher ausgelegte Freilichtbühne auf der Loreley ist überregional bekannt. Regelmäßig treten dort namhafte Künstler auf.

Die fast 344 Beherbergungsbetriebe im Rheintal stellen mit knapp 18 326 Betten 9,5 % des rheinland-pfälzischen Bettenangebotes zur Verfügung. Privatquartiere bieten davon mit 2 303 Betten etwa 13 % der Übernachtungsmöglichkeiten an. Sie boten gemeinsam im Jahr 2008 fast 900 000 Gästen Unterkunft, die ca. 2 Mio. Übernachtungen tätigten. 200 000 dieser Gäste stammten aus dem Ausland, sie waren für etwas mehr als 430 000 Übernachtungen verantwortlich. Auf die 23 Campingplätze der Region kamen zusätzlich 130 000 Gäste unter (13 % aller Ankünfte) wovon 28% aus dem Ausland anreisten.

In den Beherbergungsbetrieben stellten die Briten den größten Anteil, gefolgt von Niederländern, US-Amerikanern, Belgiern und Franzosen. Auf Campingplätzen waren die Niederländer mit 60% der ausländischen Gästeankünfte dagegen deutlich in der Überzahl, mit weitem Abstand folgten die Briten. Belgier und Franzosen folgten erst an 3. und 4. Position. Die luxemburgischen Gäste spielten anteilsmäßig keine Rolle.

Die touristischen Schwerpunkte des Rheintals sind zum einen die Stadt Koblenz, die gesondert im Abschnitt Städtetourismus behandelt wird, und zum anderen das Obere Mittelrheintal, wo etwa die Hälfte aller Betriebe und Betten entlang seines 60 km langen Stromabschnittes zu finden sind. Die Privatquartiere bieten mit 15 % einen leicht überdurchschnittlichen Anteil der Betten an.

Im Oberen Mittelrheintal selbst bilden Boppard (2 200 Betten) und die Verbandsgemeinde Sankt Goar–Oberwesel (1 400 Betten) das touristische Zentrum.
Die bedeutendsten Tourismusorte im Unteren Mittelrheintal sind Bad Breisig mit 920 und Bad Hönningen mit 850 Betten, was sie vermutlich auch ihrer Funktion als Thermal-Mineral-Heilbäder zu verdanken haben.

"Rhein in Flammen" - Feuerwerk über dem Stolzenfels
Foto: © Lasse Burell Produktion

Daneben existieren im Mittelrheintal vier weitere mit entsprechendem Prädikat ausgezeichneten Kurorte: Boppard-Bad Salzig, Lahnstein, Sinzig-Bad Bodendorf sowie Vallendar. Damit befinden sich 6 der 19 rheinland-pfälzischen Kurorte im Rheintal.

Bei den Gästezahlen ergibt sich ein ähnliches Bild: Das Hauptzielgebiet der Touristen ist das Obere Mittelrheintal. Dort kehrten im Jahr 2008 insgesamt 280 000 Gäste ein, wobei noch die Zahlen aus Boppard hinzuzurechnen sind (2005: etwas mehr als 100 000 Gäste); insgesamt also schätzungsweise 380 000 Gäste. Es gab (einschließlich der Daten aus Boppard) 930 000 Übernachtungen, wobei Boppard mit 290 000 und St. Goar-Oberwesel mit 230 000 Übernachtungen die am meisten besuchten Gemeinden waren.

Rheinsteig: Blick auf die Pfalzgrafenstein
Foto: Dominik Ketz

© Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH

Der Ausländeranteil lag bei den Übernachtungen schätzungsweise bei 25 % und damit etwas über dem Schnitt des gesamten Mittelrheintals. Die Reise-Präferenz für das Mittelrheintal im Hinblick auf Gäste aus Belgien, Frankreich und Luxemburg ist sehr ähnlich: nach der Stadt Koblenz besuchten sie Boppard und St. Goar-Oberwesel in der gesamten Region am häufigsten.

Im nördlich gelegenen Unteren Mittelrheintal lagen die Gäste- und Übernachtungszahlen deutlich unter denen des südlichen Teils. Es wurden hier 2008 unter 60 000 Ankünfte und etwa 155 000 Übernachtungen gezählt (ohne Bad Breisig).

Bad Breisig, von dem leider nur für 2006 entsprechendes Datenmaterial vorliegt, ist das touristische Zentrum:

Alleine hier gab es im besagten Zeitraum rund 38 000 Ankünfte bzw. 93 000 Übernachtungen. Mangels aussagekräftiger Zahlen lassen sich über den Unteren Mittelrhein keine gesicherten Aussagen zu den ausländischen Gästen treffen.

Quellen


Bahrmann; Matilde 2002: Die CHAID-Analyse als neue Methode der Marktsegmentierung im Tourismus. Multivariate Zielgruppendifferenzierung am Beispiel Rheinland-Pfalz. Betreut von Christoph Becker. Trier.

Conradt, Sophie Caroline 2008: Bedeutung und Potenziale des belgischen Quellmarktes für Rheinland-Pfalz. Eine Analyse von Nachfragepotenzial und Anbieterseite mit Handlungsempfehlungen für das Marketing. Trier.

Fontanari, Martin; Graeber, Sebastian 2004: Golf-Aktiv ohne Grenzen. Analysen und Produktvorschläge für den grenzüberschreitenden Golftourismus in der Großregion SaarLorLux-Rheinland-Pfalz-Wallonie. Trier: ETI (ETI-Studien, 5).

Kern, Sandra 2002: Die klimatischen Verhältnisse und ihre Besonderheit am Mittelrhein. In: Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Hg.): Das Rheintal von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz. 2. Aufl. Mainz: Phillipp von Zabern (1), S. 49–55.

Knoll, Gabriele M. 2002: Eine Pionierlandschaft des europäischen Tourismus. Das Mittelrheintal. In: Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Hg.): Das Rheintal von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz. 2. Aufl. Mainz: Phillipp von Zabern (1), S. 350–357.

Meyer, Wilhelm; Stets, Johannes 2002: Das Obere Mittelrheintal aus geologischer Sicht. In: Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Hg.): Das Rheintal von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz. 2. Aufl. Mainz: Phillipp von Zabern (1), S. 25–44.

Schüler-Beigang, Christian 2002: Zusammenfassung. Spuren der Bau- und Siedlungsgeschichte in der Kulturlandschaft. In: Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Hg.): Das Rheintal von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz. 2. Aufl. Mainz: Phillipp von Zabern (1), S. 280–285.

Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz 2009: Tourismus. Bad Ems.

Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz 2009: Betriebe und Betten nach Betriebsarten auf Kreis- und Verbandsgemeindeebene Rheinland Pfalz 2008. Unveröffentlichtes Manuskript, 2009, Bad Ems.

Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz 2009: diverse Statistiken

Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal 2005: Handlungsprogramm Welterbe Oberes Mittelrheintal - 2006 bis 2011

Externe links 


Limeswanderweg external link 

Rheinsteig external link

Rhein-Radweg external link

UNESCO- Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal external link

Wanderwunder Rheinland-Pfalz external link

Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal 2005: Handlungsprogramm Welterbe Oberes Mittelrheintal - 2006 bis 2011 external link pdf