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Tourismus

Florian Wöltering

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Um dem touristischen Geschehen in der Großregion gerecht zu sein, bedarf es einer differenzierten Betrachtung. Dies hat zwei Gründe: Zum einen gibt es Unterschiede hinsichtlich der Relevanz im Vergleich von ländlichen Räumen mit Verdichtungsräumen. Zum anderen bestehen – auf einer anderen Betrachtungsebene – zwischen den verschiedenen Teilregionen weitere Unterschiede, wie bedeutsam dort jeweils der Tourismus einzuschätzen ist.

Die Analyse der touristischen Struktur der Großregion ist insofern anspruchsvoll, als vier verschiedene Nationen mit zusammen fünf Gebietskörperschaften an dieser Region beteiligt sind.

Und während sich die Organisation und Vermarktung des Tourismus in Rheinland-Pfalz und Luxemburg bereits an der landschaftsräumlichen Situation orientiert und damit einen hohen Professionalisierungsgrad aufweist, sind diese in den drei übrigen Regionen noch von administrativen Grenzen bestimmt.


Karte: Tourismus

Tourismus

Florian Wöltering, RWTH Aachen

Der touristisch heterogenen Struktur ist es geschuldet, dass von einer Destination Großregion keine Rede sein kann. Ein Aspekt, der durch fehlendes Regionalbewusstsein noch verstärkt wird. Allerdings zeigt sich gerade in der Großregion, dass eine grenzübergreifende Vermarktung und eine stärkere Ausrichtung an landschaftlichen Gegebenheiten sinnvoll und machbar sein kann.

Wanderer an der Saarschleife
Foto: ©
Tourismus Zentrale Saarland external link

Aus diesem Grund werden die fünf bedeutendsten Urlaubsräume der Großregion bewusst grenzübergreifend vorgestellt. Als Orientierung dienen ausschließlich die landschaftlichen Elemente der Region. Diese Gebiete sind folgende:

•    Eifel-Ardennen
•    Mittelrheintal
•    Moselland
•    Pfalz-Nordvogesen
•    Hochvogesen

Einerseits ist die Auswahl der Landschaftsräume anhand der Menge der verzeichneten Übernachtungen festgelegt worden. Andererseits ist sie auch im Verhältnis zur Region, in der die Landschaftsräume liegen, zu bewerten.

Die Hochvogesen erreichten 2008 mit schätzungsweise 1,5 Mio. Übernachtungen ähnliche touristische Kennzahlen wie z. B. der Westerwald. Jedoch werden in dem kleinen Gebiet der Vogesen mehr als ein Viertel der Übernachtungen Lothringens getätigt.

Eine solche Bedeutung besitzt der Westerwald für Rheinland-Pfalz nicht. Die Auswahl der Landschaftsräume ist daher zwar der touristischen Gesamtsituation gefolgt, hat die regionale Situation dabei aber nicht außer Acht gelassen.

Aufgrund des gebietsorientierten Vorgehens und der Konzentration auf die gerade dargestellten zentralen Urlaubsräume bleiben Gebiete wie das Müllerthal, der Westerwald oder die Thermalzone Vittel-Contrexéville unberücksichtigt. Auch andere, nicht unwichtige touristische Regionen, wie das Saartal oder der Parc naturel régional de Lorraine, finden aus diesem Grund nur beiläufige Erwähnung.

Der Tourismus in der größtenteils von europäischen Mittelgebirgen beherrschten Landschaft der Großregion lässt sich in vier Hauptsegmente gliedern:

•    Weintourismus
•    (naturnaher) Aktivtourismus
•    Gesundheitstourismus
•    Kulturtourismus

Dabei kommen dem Weintourismus und dem (naturnahen) Aktivurlaub die zentralen Rollen zu. Beide sind untrennbar mit der Kulisse der Kulturlandschaft verbunden, der Weintourismus insbesondere mit dem Anbau von Wein an Rhein, Mosel, Saar, Ruwer und Ahr.

Dom zu Speyer
Foto: © Klaus Landry

Ihm kommt in der Tourismusregion Mosel und für einen Teil der Destination Pfalz-Nordvogesen, namentlich der Deutschen Weinstraße, die Hauptrolle zu. Ähnlich ist es am nördlichen Teil der Saar und in Rheinhessen. Auch im Mittelrheintal und im Ahrtal ist das Produkt Wein nicht wegzudenken und ein fester Bestandteil des dortigen Tourismusgeschehens.

Der (naturnahe) Aktivtourismus findet vor allem in den reliefreichen Gebirgsgegenden statt, die von den Nebenflüssen der Mosel und der Maas durchzogen sind.

Dazu zählen die in den einzelnen Kapiteln behandelten Gebiete Eifel-Ardennen, Pfälzerwald und die Vogesen, sowie die nicht berücksichtigten Regionen des Hunsrücks, des Westerwalds, des Müllerthals und des Parc naturel régional de Lorraine.

Musée Hergé, Louvain-la-Neuve
Foto:
J.P.Remy - Atelier de Portzamparc 2009
© Office de Promotion du Tourisme de Wallonie et de Bruxelles external link

In allen erwähnten Gebieten sind mit abwechslungsreichen, teils felsigen Landschaften gute Bedingungen zum Wandern, Radfahren, Klettern und Wasserwandern gegeben.

Die in diesen Landschaftsbereichen häufig eingerichteten Naturparks versuchen dieses Potential zu erhalten und zu vermarkten. In den Hochlagen von Eifel, Ardennen, Hunsrück und Vogesen bieten sich im Winter außerdem noch Möglichkeiten zum Wintersport. Typisch für diese Regionen ist der hohe Anteil des Campingtourismus und des Urlaubs in Ferienzentren.

Ein drittes, wichtiges Standbein des Tourismus in der Großregion stellt der Gesundheitstourismus dar. Berühmte Thermalbäder wie Spa, Vittel und Bad Neuenahr sind für dieses Segment von großer Bedeutung.

Letztlich besitzt jede der fünf Teilregionen der Großregion zumindest einen größeren Kurort, so dass die Großregion mit einer hohen Kurortdichte aufwarten kann; die meisten Kurorte befinden sich in Rheinland-Pfalz.

Der Kulturtourismus ist das vierte touristische Standbein der Großregion. Das historische Erbe aus verschiedenen Epochen steht dabei im Mittelpunkt. Zwei speziellen Bereichen des Kulturtourismus wird je ein eigenes Kapitel gewidmet. Grund dafür ist, dass sie im Vergleich zu anderen europäischen Regionen in der Großregion von außergewöhnlicher Bedeutung sind.

Damit ist zum einen der Industrietourismus gemeint, dem auf Grund des reichhaltigen industriellen Erbes und der identitätsstiftenden Funktion dieser gemeinsamen Vergangenheit in der Großregion eine erwähnenswerte Rolle zukommt.

Zum anderen handelt es sich um den Militärtourismus. Bedingt durch brutale, kriegerische Auseinandersetzungen, daraus resultierende Grenzverlagerungen und wechselnde Staatszugehörigkeiten, findet sich in der Großregion heutzutage eine ungewöhnlich hohe Dichte an festungsbaulichen Relikten, Schlachtfeldern und Soldatenfriedhöfen.

Darüber hinaus wird auch dem Städtetourismus ein eigenes Kapitel zugestanden, da Städte zweifellos einen wichtigen Beitrag zum Tourismusaufkommen leisten, und hier deshalb unabhängig von der jeweiligen Tourismusregion behandelt werden sollen.

Unter den Städten der Großregion sind Luxemburg, Trier und Mainz die bedeutendsten Touristenmagneten, sie erreichen jeweils mehr als 750 000 Übernachtungen. Weiterhin sind Koblenz, Metz, Saarbrücken, Liège und Nancy von Relevanz und werden im entsprechenden Kapitel intensiver besprochen.

Auch Städte wie Mons, Namur, Charleroi, Ludwigshafen, Kaiserslautern, Speyer und Worms besitzen durchaus eine Bedeutung für den Tourismus, da aber keine dieser zuletzt genannten Städte wesentlich mehr als 250 000 Übernachtungen generiert, bleiben sie im Kapitel Städtetourismus außen vor.

In vielen der dargestellten Tourismussegmente finden sich grenzübergreifende Projekte. Manche Touristische Straßen oder Wander- und Fernradwege gehen über Grenzen hinweg und verbinden landschaftliche Einheiten oder nehmen Bezug auf historische Gemeinsamkeiten, die durch Ländergrenzen getrennt werden.

 

Mullerthal: Spaziergang durch Schlucht
Foto: © Office National du Tourisme Luxembourg
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Auch im kulturellen Bereich existieren Kooperationen, wie z. B. die "Gärten ohne Grenzen" external link. Als Luxemburg im Jahr 2007 Kulturhauptstadt Europas war und sich gemeinsam mit der Großregion darstellte, wurden zudem gemeinsame Print- und Online-Kulturreiseführer external link herausgegeben.

Im Jahr 2010 soll darüber hinaus ein Reiseführer für Golftouristen in der Großregion veröffentlicht werden. Dies ist ein Bereich, in dem man ein weiteres großes Potential sieht.

Ehnen: Mosel-Panorama
Foto: © Office National du Tourisme Luxembourg external link  

Betrachtet man die touristische Nachfrage, dann lassen sich die Touristen in Tages- und Übernachtungstouristen unterteilen. Den Tagestouristen aus den Verdichtungsräumen an Rhein, Maas, Mosel, Sambre und Saar bietet die Großregion etliche Naherholungsgebiete an.

Häufiges Problem bei der Analyse des Tagestourismus ist die unstetige und unvollständige Erfassung dieses Phänomens. Für die Großregion kann zu diesem Thema nur auf zwei Veröffentlichungen zurückgegriffen werden.

Auch wenn diese Daten den Blick auf die Bedeutung des Tagestourismus für Teilgebiete der Großregion freilegen, sind sie bei weitem noch nicht ausreichend, und es lassen sich auf dieser dünnen Datenbasis auch keine Aussagen zum gesamten tagestouristischen Geschehen in der Großregion treffen.

Im Jahr 2006 wurden in Rheinland-Pfalz 175 Mio. und im Saarland 25 Mio. Tagesreisen registriert. Rechnet man den Tages-Geschäftsreiseverkehr hinzu kommt man auf insgesamt 236 Mio. empfangene Tagesgäste (29 Mio. RP; 7 Mio. Saarland). Zum überwiegenden Teil stammten die Gäste jeweils aus dem eigenen Bundesland. Das Saarland erhielt seine zweit-meisten Besuche daneben aus Rheinland-Pfalz.

Umgekehrt reisten jedoch kaum Tagestouristen aus dem Saarland in dasNachbarbundesland Rheinland-Pfalz. Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen sind im Hinblick auf den Tagestourismus in Rheinland-Pfalz wesentlich wichtiger. Dabei zog es fast jeden dritten Tagestouristen in die Pfalz, daneben sind die Eifel/Ahr-Region, das Rheintal und Rheinhessen wichtige Zielgebiete.

Auffällig bei den saarländischen Tagestouristen ist der hohe Anteil von Reisen ins Ausland. Von dort reisten 1,7 Mio. nach Luxemburg und 2,2 Mio. nach Frankreich. Da der Radius für eine Tagesreise begrenzt ist und im Durchschnitt etwa 90 km beträgt, wird ein großer Teil der Tagesreisen nach Frankreich mutmaßlich Lothringen zum Ziel gehabt haben.

Von Rheinland-Pfalz konnten 7,1 Mio. Tagesreisen ins Ausland gezählt werden, davon etwa jeweils ein Drittel nach Frankreich und Luxemburg und 7 % nach Belgien.

Die Luxemburger haben im selben Untersuchungsjahr 6 Mio. Tagesausflüge ins Ausland unternommen. Davon führte beinahe die Hälfte der Reisen nach Deutschland. Belgien wurde von knapp 30 % und Frankreich von 25 % der Ausflügler angesteuert.

Weitere Aussagen zum Tagestourismus lassen sich auf Grund der bereits erwähnten Problematik nicht treffen.

Durbuy - Panorama
Foto:
J.-P. Remy
© Office de Promotion du Tourisme de Wallonie et de Bruxelles
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Im Hinblick auf den Übernachtungstourismus lässt sich dagegen ein klares Bild zeichnen. Hier konnte der Tourist im Jahr 2008 zwischen 4 404 Hotelbetrieben mit 173 586 Betten, 806 Campingplätzen sowie diversen Ferienzentren, Kurkliniken, Gemeinschafts- und Privatunterkünften wählen.

Gemeinsam verzeichneten diese im Jahr 2007 ca. 15,5 Mio. Gäste (ohne lothringische Kollektivunterkünfte und Gîtes de France).

Dabei kamen 42,5 Mio. Übernachtungen zustande (für die Départements Meuse und Moselle liegen bezüglich der Gîtes de France keine Werte vor, sie können jedoch vernachlässigt werden, da es sich nur um insgesamt 109 Unterkünfte handelt).

Im Jahr 2007 wählten knapp 60 % der Übernachtungsgäste ihr Quartier in Rheinland-Pfalz, 16 % in der Wallonie, 13 % in Lothringen, 6,5 % in Luxemburg und etwa 5,5 % im Saarland.

Das demonstriert eindrucksvoll, welch unterschiedlichen Stellenwert der Tourismus in den einzelnen Teilregionen hat und dass Rheinland-Pfalz bei weitem die meisten Gäste anziehen kann, mehr als in den übrigen Teilregionen zusammen.

In den Hotelbetrieben der Großregion fanden ca. 19 Millionen und somit beinahe die Hälfte (45 %) aller Übernachtungen statt. Ferienparks und Gemeinschaftsunterkünfte kamen an zweiter Stelle auf knapp 9 Mio. (21 %). An dritter Stelle stehen die Campingtouristen, welche fast 7 Mio. der Übernachtungsgäste ausmachten (16 %).

Betrachtet man die Herkunft der Urlauber, so stellten die Deutschen mit 22,5 Mio. Übernachtungen den Großteil (55 %) der Touristen. Belgier und Niederländer folgten mit jeweils knapp 5,3 Mio. (13 %), die Franzosen erreichten 4,2 Mio. (10 %).

(In Lothringen lassen sich 1,3 Mio. Übernachtungen nicht nach Nationalität gliedern, von denen die Franzosen vermutlich einen großen Anteil haben, der hier unberücksichtigt bleibt.)

Blick von Burg Altdahn
Foto: © Naturpark Pfälzerwald e.V.
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Von luxemburgischen Gästen wurden mehr als 300 000 Übernachtungen registriert, dabei fehlen allerdings Angaben aus Lothringen. Die übrigen 3,6 Mio. Übernachtungen sind auf Touristen aus dem restlichen Ausland zurückzuführen.

Erwähnenswert ist darüber hinaus die große Rolle, welche die Niederländer für das Campinggewerbe spielen. Sie stellten mit 2,1 Mio. mehr als 30 % der Camping-Übernachtungen in der Großregion im Jahr 2007.

Versucht man einen Ausblick in die Zukunft, so ist zu erwarten, dass die Großregion als europäische Mittelgebirgsregion einem besonders starken Druck durch die Sättigungstendenzen im europäischen Tourismuswettbewerb ausgesetzt sein wird. Es bedarf daher weiterhin eines aktiven Marketings und einfallsreicher Ideen und in einigen Teilregionen einer stärkeren Professionalisierung, um in diesem Wettbewerb zu bestehen.

Alle Teilregionen haben in den letzten Jahren Touristische Entwicklungspläne vorgelegt:

Rheinland-Pfalz: Tourismusstrategie 2015 external link pdf

Saarland: Tourismusstrategie Saarland 2015 external link pdf

Lothringen: Schéma Régional du Tourisme et des Loisirs de Lorraine external link 

Wallonie: Plan Marketing International pour la Promotion Touristique 2006–2016 external link

Luxemburg : Masterplan 2009 external link pdf

 

 

 

(Bei der Abbildung fehlen Angaben der Hébergements associatifs & collectifs und der Gîtes de France für die Ankünfte und die Angabe der Herkunft der Übernachtungstouristen. Die Angaben zur Herkunft der Touristen im Saarland stammen aus dem Jahr 2008, da für 2007 nicht verfügbar.)

Der Tourismus in der Großregion im Jahr 2007
Datenbasis: Statistische Ämter der Teilregionen

Quellen


Fontanari, M. & S. Graeber 2004: Golf-Aktiv ohne Grenzen. Analysen und Produktvorschläge für den grenzüberschreitenden Golftourismus in der Großregion SaarLorLux-Rheinland-Pfalz-Wallonie. Trier.

Fontanari, M. & P. Hermann 2001: Tourismusstrategien für Saar-Lor-Lux. Eine europäische Region auf dem Weg zu einer touristischen Destination? In: Leinen, J. (Hg.): Saar-Lor-Lux. Eine Euro-Region mit Zukunft? Sankt Ingbert, S. 189–208.

Leinen, J. (Hg.) 2001: Saar-Lor-Lux. Eine Euro-Region mit Zukunft? Sankt Ingbert.

Maschke, J. 2007: Tagesreisen der Deutschen. München.

Mertesdorf, A. 2003: Straußwirtschaften als touristisches Angebot. Trier.

Mesplier, A. 2008: Le tourisme en France. Montreuil.

o.A. 2007: PNR de Lorraine. Fédérer les acteurs locaux. In: La Gazette Officielle du Tourisme, H. 1897, S. 2–3.

Statec 2007: Tourismusvolumen und Reiseverhalten der Wohnbevölkerung des Großherzogtums Luxemburg 2006. In: Bulletin du Statec, H. 9, S. 357–429.

Statistische Ämter der Großregion, diverse Statistiken.

Steinecke, A. 2007: Kulturtourismus. Marktstrukturen, Fallstudien, Perspektiven. München.

Wieger, A. 2008: Beneluxstaaten. Belgien Niederlande Luxemburg. Darmstadt.

Externe links 


Gärten ohne Grenzen external link

Lothringen: Schéma Régional du Tourisme et des Loisirs de Lorraine external link 

Luxemburg : Masterplan 2009 external link pdf

Naturpark Pfälzerwald e.V. external link

Office de Promotion du Tourisme de Wallonie et de Bruxelles external link

Office National du Tourisme Luxembourg external link

Plurio.net: Online-Kulturreiseführer external link

Rheinland-Pfalz: Tourismusstrategie 2015 external link pdf

Rheinland-Pfalz Tourismus external link

Saarland: Tourismusstrategie Saarland 2015 external link pdf

Tourismus Zentrale Saarland external link

Wallonie: Plan Marketing International pour la Promotion Touristique 2006–2016 external link