Grenzraum Belgien / Luxemburg

Daniel Ullrich

Tanktourismus
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Mit einer Länge von 148 km ist die belgische Grenze die längste der drei luxemburgischen Landesgrenzen. Sie reicht von Rodange im Südwesten des Großherzogtums bis Lieler im Norden des Landes und grenzt an die belgischen Arrondissements Arlon und Bastogne in der Provinz Luxemburg sowie auf rund 17 km an das Arrondissement Verviers, welches der Provinz Lüttich zugehörig ist.

54 Tankstellen liegen in den grenznahen Gemeinden, eine weniger als an der halb so langen Grenze zu Frankreich. Der Grenzraum ist eher dünn besiedelt, wobei die Bevölkerungsdichte von Süd nach Nord abnimmt.

Die einzige Autobahnverbindung über die Grenze ist die E411/E25 in Richtung Arlon. Die grenznahen luxemburgischen Orte sind lediglich über Nationalstraßen von Belgien aus zu erreichen, von denen der N4 eine besondere Bedeutung zukommt. Sie bildet das direkte Bindeglied zwischen der aus Richtung der französischen Stadt Longwy kommenden N52 und der Anschlussstelle der E25 in Höhe des belgischen Ortes Bastogne.

Karte: Tanken im Grenzraum

Tanken im Grenzraum

Daniel Ullrich, Saarbrücken

Ein wesentlicher Teil des aus Frankreich kommenden Lkw-Verkehrs nutzt diese direkte Strecke auf dem Weg nach Liège, anstatt einen Umweg über die Autobahn E411/E25 in Kauf zu nehmen. Interessanterweise verläuft die N4 nahezu parallel entlang der Grenze und tangiert dabei den belgisch-luxemburgischen Grenzort Rombach/Martelange, auf den noch gesondert eingegangen wird.

Wie an der deutschen und der französischen Grenze findet man auch hier Orte, die im Vergleich zu ihrer Bevölkerung ein deutliches Überangebot an Tankstellen vorweisen. Im Vergleich zu Mertert-Wasserbillig, Remich, Schengen oder Rodange erscheint die Anzahl der Tankplätze mit Ausnahme von Rombach/Martelange auf den ersten Blick recht gering.

Dieses Bild ändert sich jedoch, wenn man die Tankplätze in Relation zur Einwohnerzahl der Orte setzt (vgl. Tabelle 1). Es handelt sich vornehmlich um kleinere Orte mit niedriger Einwohnerzahl. Größere Agglomerationen, wie sie im Süden Luxemburgs zu finden sind, fehlen hier gänzlich.

Vergleich der Einwohnerzahl und der Anzahl an Tankplätzen für die grenznahen luxemburgischen Orte Steinfort, Oberpallen, Rombach-Martelange, Pommerloch und Weißwampach-Wemperhardt

Besonders Rombach/Martelange und Pommerloch fallen ins Auge. In keinem anderen luxemburgischen Grenzort wird eine derartige Relation erreicht. Gut zwei Einwohner teilen sich in den beiden Orten jeweils einen Tankplatz. Dies zeigt mehr als deutlich die enorme Bedeutung des grenzüberschreitenden Tanktourismus für die Gemeinden.

Am luxemburgisch-belgischen Grenzabschnitt wurden exemplarisch an den Standorten Weiswampach-Wemperhardt, Pommerloch, Rombach/Martelange und Oberpallen Kfz-Zählungen vorgenommen.

Als problematisch erwies sich dabei allerdings, dass die Kfz-Kennzeichen in Belgien personengebunden sind und somit die Zahlen- und Buchstabenkombinationen nichts über das Herkunftsgebiet des Fahrzeughalters aussagen.

Eine detailliertere Aufschlüsselung nach dem Herkunftsgebiet ist daher nicht möglich, es kann lediglich der Anteil ausländischer Kraftfahrzeuge ermittelt werden.

Der Ort Weiswampach-Wemperhardt befindet sich im äußersten Norden des Großherzogtums und ist über die N62/E421 von Belgien aus erreichbar. Bereits 60m nach dem Grenzübertritt trifft man auf die erste Tankstelle. Auch von deutscher Seite ist der Ort über die L1 gut zu erreichen. Insgesamt reihen sich im Bereich Weiswampach-Wemperhardt sechs Tankstellen entlang der luxemburgischen N7.

Als Erhebungsort wurde eine Tankstelle des Aral-Konzerns gewählt. Diese wurde erst im Sommer letzten Jahres eröffnet und verfügt über 20 Tankplätze sowie einen ca. 100 m² großen Shop. Die Anlage ist direkt an ein Einkaufszentrum mit 15 verschiedenen Geschäften und Dienstleistungen, fünf Restaurants, einem Imbiss und einem Café angegliedert.

Die einstige Haupttankstelle des Einkaufszentrums, unterhalten vom Shell-Konzern, ist derzeit stillgelegt und soll in Kürze im Zuge von Ausbaumaßnahmen einer Geschäftsgallerie weichen. Aufrüstungspläne bestehen bereits für die 2002 errichtete BP-Tankstelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Während der Tanktourismus in den 1970er Jahren noch einen Anteil von 98% am Umsatz des Shopping-Centers hatte, ist dieser heute für das Unternehmen nur noch ein Standbein unter vielen.

Das Ergebnis der Zählung setzt sich wie folgt zusammen: Durchschnittlich wurden 136 Fahrzeuge pro Stunde betankt. Die Tankstelle war dabei nur selten voll ausgelastet. Wie zu erwarten kam ein hoher Anteil (41,2 %) der erfassten Fahrzeuge aus Belgien, weitere 33,7 % aus dem Großherzogtum selbst.

Der Anteil deutscher Pkw betrug 25,1 %. In diesem Falle war eine Aufschlüsselung nach Herkunftsgebiet möglich. Die Mehrzahl der erfassten Pkw (13,2 % aller Pkw) reiste aus dem rheinland-pfälzischen Landkreis Bitburg-Prüm an, weitere 6,7 % aus dem Kreis Aachen (AC). 4,4 % kamen aus dem Kreis Vulkaneifel (DAU). Bei den wenigen Besuchern aus dem 135km entfernten Zweibrücken (ZW) handelt es sich wohl kaum um Tanktouristen.

Weiswampach-Wemperhardt scheint nicht nur für belgische, sondern auch für deutsche Kunden interessant zu sein. Die Gründe hierfür liegen wohl in der im Norden Luxemburgs eher geringen Konkurrenz entlang der deutschen Grenze, der relativ guten Erreichbarkeit sowie in dem Einkaufszentrum, das den Kunden zudem eine große Auswahl günstiger Produkte und zudem Sonderangebote unterbreitet.

Der luxemburgische Ort Pommerloch verfügt innerhalb des Untersuchungsgebietes über die engste Relation zwischen Tankplätzen und Einwohnern. 3km hinter der Staatsgrenze gelegen, ist er über die N84 von belgischer Seite aus erreichbar. Bei gerade einmal 109 Einwohnern und 54 Tankplätzen teilen sich hier zwei Menschen einen Tankplatz.

Nur knapp zehn Kilometer entfernt befindet sich die belgische Kleinstadt Bastogne, Hauptort des gleichnamigen Arrondissements. Trotz einer Einwohnerzahl von immerhin rund 14 100 Menschen sowie einer Autobahnanbindung an die E25, befindet sich in der näheren Umgebung der Kleinstadt nur eine einzige Tankstelle mit acht Pkw-Betankungsplätzen sowie zwei separaten Betankungsanlagen für Lkw.

a) Tankstelle Wemperhardt
Foto: Ullrich 2009
b) Anteile der erfassten Pkw nach Herkunft an der Araltankstelle Wemperhardt, eigene Erhebung
 

Als Erhebungsstandort in Pommerloch wurde eine Tankstelle des Q8-Konzerns ausgewählt. Neben 16 Betankungsplätzen für Pkw verfügt die Anlage zudem über einen ca. 100 m² großen Shop sowie eine Waschstraße. Der Shop weist ein für die belgisch-luxemburgische Grenze typisches Warensortiment auf. Den Schwerpunkt des Angebots bilden Zigaretten, Tabakwaren und alkoholische Getränke, darunter vor allem Spirituosen.

Aufgrund der in Belgien im Vergleich zu den anderen Ländern der Großregion hohen Besteuerung von Alkohol liegt es nahe, dass belgische Kunden neben Kraftstoffen vermehrt auch diese Produkte einkaufen (vgl. Tankstellenshops). Den Rest des Sortimentes bilden Snacks, Süßwaren, Kaffee, Zeitschriften, begrenzt Hygieneartikel, Autozubehör, Geschenkartikel sowie antialkoholische Getränke.

Im Durchschnitt fuhren 184 Fahrzeuge pro Stunde die Tankstelle an, wobei eine durchgängig hohe Auslastung zu verzeichnen war. Rund 78% der Fahrzeuge waren in Belgien zugelassen, weitere 13,1 stammten aus dem Großherzogtum. Die restlichen 1,9 % verteilten sich auf Frankreich sowie weitere Herkunftsländer, die aufgrund der Distanz nicht mehr zum Tanktourismus gerechnet werden können.

Anteile der erfassten Pkw nach Herkunft an der Total-Tankstelle Arelerstrooss, Oberpallen, eigene Erhebung

Ebenfalls unmittelbar an der belgisch-luxemburgischen Grenze liegt der Ort Oberpallen, welcher über die N882 von belgischer Seite aus erreichbar ist. Auch die 27 000 Einwohner fassende und nur etwa 5 km entfernte belgische Stadt Arlon liegt an dieser Nationalstraße.

Überquert man die Staatsgrenze, so trifft man bereits nach 100 m auf die erste der vier Tankstellen des Ortes. Bei einer Einwohnerzahl von knapp 417 Personen kommt auf rund 14 Einwohner ein Tankplatz. Auch hier kann man von einer deutlichen Überversorgung mit Tankplätzen sprechen. Im Vergleich dazu verfügt Arlon mit lediglich einer Tankstelle und vier Betankungsplätzen über ein Einwohner/Tankplatz-Verhältnis von 6 750/1.

Die Pkw-Zählung wurde an einer Tankstelle des Total-Konzerns vorgenommen. Die Anlage liegt in der Arelerstrooss und ist die größte von Oberpallen. Neben zehn Tankplätzen bietet sie den Kunden einen ca. 130 m² großen Shop mit einem reichhaltigen Angebot an Zigaretten, Tabakwaren, Spirituosen, alkoholischen und antialkoholischen Getränken sowie Snacks und Süßigkeiten.

Das Ergebnis der Erhebung präsentiert sich wie folgt:

Durchschnittlich wurden 95 Pkw pro Stunde betankt. Die Mehrzahl der erfassten Fahrzeuge kam aus Belgien (75,4%), weitere 6,2 % der Fahrzeuge waren im Großherzogtum gemeldet.

Die restlichen 18,4 % verteilten sich auf die französischen Departements Ardennes, Meurthe-et-Moselle, Meuse und Moselle sowie ein geringer Anteil auf sonstige Herkunftsgebiete. Der relativ hohe Anteil französischer Kunden überrascht, liegen doch andere Standorte wesentlich näher an der französischen Grenze.

Eine weitere Zählung wurde in Rombach/Martelange durchgeführt. Der Ort kann über die N848 von belgischer Seite aus angefahren werden und profitiert zudem von seiner eingangs erwähnten Lage unmittelbar an der N4, die stark vom Transitverkehr frequentiert wird. Den 244 Einwohnern des Ortes stehen insgesamt 12 Tankstellen mit 104 Tankplätzen zur Verfügung, was einem Verhältnis von rund 2,3 Einwohnern pro Tankplatz entspricht.

Neben diesem besonders hohen Grad an Überausstattung verfügt der Ort über eine Besonderheit, was die Lage der Tankstellen betrifft. Alle Tankstellen Rombach/Martelanges liegen exakt auf dem Verlauf der Staatsgrenze, während die Straße davor, die N4, bereits zu Belgien gehört.

Die Erhebung wurde an zwei Tankstellen, einer Station des Shell-Konzerns und einer des Lukoil-Konzerns durchgeführt. Der größte Ölkonzern Russlands und sechstgrößte der Welt hat im September 2008 das belgische und luxemburgische Tankstellennetz des Jet-Konzerns übernommen.

Am Erhebungstag unterbot die Lukoil-Filiale die Preise der benachbarten Konkurrenz-Tankstellen um 0,5 Cent/Liter. Im Erhebungszeitraum wurde diese Tankstelle von den Kunden jedoch nicht vermehrt angesteuert. Die Tankstelle des Shell-Konzerns verfügt über sechs, die des Lukoil-Konzerns über zwölf Tankplätze. Separate Lkw-Tankplätze fehlen bei beiden. 

Im Durchschnitt tankten in einer Stunde lediglich 78 Fahrzeuge an den beiden Stationen. Wie zu erwarten, stellten die belgischen Kunden mit 86 % den größten Anteil, aus dem Großherzogtum selbst kamen 9% der Kunden.

Die restlichen 5% der Fahrzeuge waren in Frankreich zugelassen. Im Hinblick auf die Ausstattung des Ortes wäre mit höheren Kundenzahlen zu rechnen gewesen. Warum der Ort nicht höher frequentiert wurde, bleibt unklar.

 

Prozentualer Anteil der Kraftfahrzeuge nach Herkunftsland am Standort Shell/Lukoil in Rombach/Martelange, eigene Erhebung

 

Um zusätzlich ein Bild von der Frequentierung durch den Lkw-Verkehr zu bekommen, wurde eine separate Zählung an einer weiteren Tankstelle vorgenommen. Dort wurden im Schnitt zwölf Lkw pro Stunde verzeichnet, die aus Luxemburg, Deutschland, den Niederlanden, Italien und Frankreich kamen.

Grenzverlauf Belgien/Luxemburg in Rombach/Martelange
Foto: Ullrich 2009

Wie zu erwarten, kennzeichnet auch diesen Raum ein hoher Anteil von Kunden aus dem angrenzenden Nachbarland des Großherzogtums. Die Anteile belgischer Kunden beliefen sich auf Werte zwischen 75 und 86%.

Eine Ausnahme stellt der Ort Weiswampach/Wemperhardt dar, der, begünstigt durch seine Nähe zur deutschen Grenze, über gleich zwei Einzugsländer verfügt.

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass das Shopping-Center des Ortes ein wesentlicher Versorgungspunkt dieses Raumes ist, welcher auch von der inländischen Kundschaft stark frequentiert wird.

Quellen


Externe links 


Administration Communale De Beckerich (2009): La Commune en chiffres ( 05.04.2009) external link

Colaris, A. (2009): Massen: Fest in Luxemburger Hand (  04.04.2009) external link

Colaris, A. (2009): Shopping Center Massen investiert in die Zukunft (  04.04.2009) external link

RIA NOVOSTI (2008): Russischer Ölkonzern Lukoil kauft Tankstellennetz in Belgien und Luxemburg ( 04.04.2009) external link

LUKOIL Oil Company 2009 (05.04.2009) external link

FISALIS SA (Hg.) 2008: Viaah! annuaire (06.06.2008) external link

Groupement Pétrolier Luxembourgeois a.s.b.l. (GPL) 2009: Prix et Statistiques, Marché National (04.06.2008) external link

STATEC 2008: Luxemburg in Zahlen (05.04.2009) external link pdf

Syndicate des villes et communes Luxembourgeoises (SYVICOL) 2008: Villes et communes (06.04. 2009) external link