Beziehungen

Wirtschaftliche Beziehungen der Automobilindustrie innerhalb der Großregion

Christoph K. Hahn



  Quellen Links


Im Rahmen eines von der EU finanzierten Forschungsprojekts (ESPON-Projekt Metroborder external link) wurde in den Jahren 2009 und 2010 untersucht, inwieweit die Betriebe der Automobilindustrie mit anderen Betrieben aus der Großregion kooperieren beziehungsweise Lieferbeziehungen zu diesen unterhalten.

Um dies herauszufinden, wurde zunächst ein Fragebogen an die Betriebe und Institutionen versandt, die zu diesem Zeitpunkt Mitglied in einer der fünf Unternehmensnetzwerke waren. Zusätzlich wurden mit Ansprechpartner aus rund einem Dutzend Betriebe Interviews geführt, um Detailinformationen zu den Aktivitäten der Betriebe zu erhalten.

Da die auf den Internetseiten der Netzwerkinitiativen angegebenen Adressdaten der Betriebe nicht in allen Fällen korrekt waren beziehungsweise die Betriebe nicht mehr existierten, haben etwa 650 Betriebe tatsächlich einen Fragebogen erhalten. Die im Folgenden präsentierten Ergebnisse basieren auf den Antworten von 77 Betrieben. Die Tabelle fasst einige wichtige Merkmale dieser Betriebe zusammen.

Karten: Autoindustrie

Autoindustrie 2011

Christoph K. Hahn, Universität des Saarlandes

Merkmale der befragten Betriebe
Grundlage: eigene Erhebungen

Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe unterhält Kontakte zu anderen Betrieben innerhalb der Großregion. Besonders im Bereich der Produktion gibt es häufig Lieferbeziehungen oder auch gemeinsame Kooperationen bei der Herstellung von Gütern (s. Abbildung).

Weniger verbreitet ist hingegen die Zusammenarbeit mit anderen regional ansässigen Betrieben in Forschung und Entwicklung oder beim Marketing. Ein Grund dafür liegt sicherlich in der Tatsache, dass viele Erstzulieferer in der Großregion reine Produktionsstätten betreiben und keine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung in der Großregion besitzen. Die Forschungsarbeit findet stattdessen vielfach außerhalb der Großregion statt.

Die Bedeutung der regionalen Beziehungen für einen Betrieb hängt unter anderem von den drei Faktoren Betriebsgröße, Rechtsform und Position in der Zulieferpyramide ab (s. Abbildung unten). Großbetriebe unterhalten zwar durchaus auch Kontakte zu anderen Betrieben in der Großregion, doch haben sie darüber hinaus ein weitverzweigtes, teilweise globales Beziehungsnetz.

Dadurch sind die regionalen Kontakte in der Regel nicht zwingend notwendig für den Betriebserfolg, da sie bei Bedarf problemlos durch andere Kontakte ersetzt werden können. Anders ist die Situation bei den kleinen und mittelgroßen Betrieben: Diese haben nur vergleichsweise wenig überregionale Kontakte, wodurch die Ebene der Großregion für sie von relativ großer Bedeutung ist.

Vergleichbares lässt sich für den Unterschied zwischen einer reinen Produktionsstätte eines Mehrbetriebsunternehmen und einem eigenständigen Einzelunternehmen sagen: Der Produktionsbetrieb hat allein durch seine Einbettung in das Leitunternehmen in aller Regel überregionale Kontakte, wohingegen das eigenständige Unternehmen viel mehr auf die Großregion angewiesen ist.

Schließlich hat auch die Position in der Zulieferpyramide Einfluss auf die räumlichen Dimensionen der wirtschaftlichen Kontakte. Fahrzeughersteller und Erstzulieferer beziehen Waren und kooperieren mit Betrieben aus den verschiedensten Regionen der Erde. Demgegenüber beschränkt sich der Aktionsraum der im Rahmen der Studie befragten nachrangigen Zulieferbetriebe (inklusive Ausrüstern) viel stärker auf die Großregion.

Kooperationsfelder in der Automobilindustrie der Großregion
Grundlage: eigene Erhebungen

Anteil und Bedeutung regionaler Kooperationen in Abhängigkeit der…
Eigener Entwurf

Grenzüberschreitende Beziehungen in der Großregion
Während es in der Großregion insgesamt viele Beziehungen zwischen den Betrieben der Automobilindustrie gibt, ist der Anteil der grenzüberschreitenden Beziehungen relativ gering. Lediglich elf der 77 untersuchten Betriebe arbeiten mit Partnern zusammen, die in einem ausländischen Teil der Großregion angesiedelt sind.

Interessanterweise sind die in der Großregion vorhandenen sprachlichen Unterschiede zwischen den beiden deutschen Teilregionen und dem frankophonen Lothringen und der Wallonie nicht die größte Barriere für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit (s. Abbildung).

Vielmehr erwähnt die Mehrzahl der Betriebe ein Informationsdefizit hinsichtlich der wirtschaftlichen Struktur der anderen Teilregionen. Die Betriebe wissen vielfach gar nicht, ob es in den anderen Gebieten potentielle Partner für eine Zusammenarbeit gibt, obwohl sie an solchen Beziehungen grundsätzlich interessiert sind.

Eine mögliche Lösung, die in den Interviews von vielen Gesprächspartnern vorgeschlagen wurde, wäre eine Vernetzung der fünf regionalen Unternehmensnetzwerke, etwa durch einen gemeinsamen, mehrsprachigen Internetauftritt und gemeinsame Unternehmertreffen. Diese Maßnahmen könnten nicht nur der Information, sondern auch dem Aufbau von Kontakten dienen und somit eine weitere große Barriere abbauen: Bislang nämlich vermissen viele Betriebe eine geeignete Plattform, über die sie mit ausländischen Betrieben in Kontakt kommen könnten.

Neben vielen Betrieben fordern auch politische Strategiepapiere (etwa das Zukunftsbild 2020 external link pdf, die Innovationsstragie 2015 external link pdf und die Gemeinsame Erklärung des 12. Gipfels der Großregion vom 24. Januar 2011 external link pdf) und von der Politik beauftragte Studien (etwa Clusterstrukturen in der Großregion external link pdf) eine engere Vernetzung der regionalen Netzwerkinitiativen, um die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Betriebe zu verbessern.

Bislang waren die meisten Maßnahmen, die eine solche Kooperation der Cluster zum Ziel hatten, aber nur von kurzer Dauer und trugen nicht zu einer langfristigen und effektiven Förderung der grenzüberschreitenden Aktivitäten bei (siehe Grenzüberschreitende Projekte der Unternehmensnetzwerke).

Hürden für grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Großregion
Grundlage: eigene Erhebungen

Quellen und externe links 


Ergebnisbericht des ESPON-Projekts „Metroborder“ external link pdf

Saarland – Ministerium für Inneres und Europaangelegenheiten (2011): Gemeinsame Erklärung des 12. Gipfels der Großregion vom 24. Januar 2011.- Saarbrücken external link pdf

Staatskanzlei des Saarlandes (2003): Zukunftsbild 2020 – 7. Gipfel der Großregion.- Saarbrücken [deutsch] external link pdf [französisch] external link pdf

Staatskanzlei des Saarlandes (2007): Innovationsstragie 2015.- Saarbrücken external link pdf

Wirtschafts- und Sozialausschuss der Großregion (2006): Clusterstrukturen in der Großregion.- Trier external link pdf