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Gallé

GK064 Emile Gallé

Weingläser, Gallé
Foto: E. Mendgen

Cristallerie Gallé

Rue Jean Jaurès
F-54000 Nancy

1894-1931
Cristallerie, Kunstglas


Eva Mendgen

Kooperation mit Meisenthal
Der Künstlerunternehmer Émile Gallé (1846 Nancy - 1904 Nancy) war eine umfassend gebildete und weitgereiste Persönlichkeit. Um 1866 hatte er in Meisenthal bei Burgun, Schverer & Co. die Grundlagen des Glasmacherhandwerks erlernt.

Das "Savoirefaire complexe" der Lothringischen Glasmacher – die damalige Kulturministerin definierte es anlässlich eines Besuches in Meisenthal 1999 als Patrimoine - bot eine ausgezeichnete Basis für Innovationen im technischen und gestalterischen Bereich, die sich Gallé zur Mission gemacht hat.

In den folgenden Jahren entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Firmen, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 unter erschwerten Umständen wiederaufgenommen und bis 1894 beibehalten wurde

Meisenthal lag jetzt in dem vom Deutschen Reich annektierten Teil Lothringens, Nancy im französische gebliebenen Teil Lothringens. 1874 übernahm Gallé die künstlerische Leitung der väterlichen Firma in Nancy.

Glaskrug, Gallé
Foto: E. Mendgen

Kunstglasentwurf, Gallé
Foto: E. Mendgen

Kunstglas
Aus der Kooperation der Firmen Gallé und Burgun, Schverer & Co. ging eine neue Produktlinie hervor: "Kunstglas" ("Verre d'art", "vases artistiques") in Form von Einzelstücken, Kleinserien und Serienware.

Diese Glasobjekte sind stilistisch zwischen Historismus und Art Nouveau-Jugendstil angesiedelt: Die Auseinandersetzung mit historischen Vorbildern - Formen, Ornamenten, Techniken - führte zuerst zu Nachbildungen, dann zu Neuinterpretationen und zuletzt zu neuen, künstlerisch eigenständigen Glasobjekten.

Im Bereich der Materialien und der Techniken dominierte anfangs das Klarglas, das häufig gleichmäßig getönt ist, zum Beispiel bernsteinfarben oder als blau ("Clair-de-lune").

Das Dekor wird in meist kleinteiliger, naturalistischer Emailmalerei, darüber hinaus in Schliff und Schnitt ausgeführt, die Motive stammen häufig aus der Pflanzen- und Tierwelt (1870er und 1880er Jahre).

Später erfolgt ein freierer Umgang mit dem Material, der seinerseits komplizierte glastechnische Experimente voraussetzt: nahezu abstrakte Glasobjekte in der Technik des Überfangs und der Zwischenschichtmalerei entstehen (1890er Jahre).

Eine wesentliche Rolle bei der Umsetzung der künstlerischen Entwürfe Gallés spielten die Glasmaler Désiré Christian als Leiter des Dekorationsateliers von Burgun, Schverer & Co., sowie sein Mitarbeiter Eugène Kremer.

Die Zusammenarbeit von Christian, Gallé und Burgun, Schverer & Co. wurde 1885 - 1894 durch einen Geheimvertrag geregelt.

Nancy: Entwurf und Ausführung
Gallé bemerkte selbst einmal, dass er in seinem Atelier in Nancy vom Entwurf bis zur Ausführung alles plane und vorbereite, so dass jedes Werk seinen Stempel trage ("Mon oeuvre personnel consiste surtout") - die Glasobjekte sind das Ergebnis der von ihm koordinierten Zusammenarbeit einzelner Spezialisten.

Gustav Pazaurek: Moderne Gläser
Foto: E. Mendgen

Signatur Gallés auf dem Glasboden
Foto: E. Mendgen

In Nancy arbeiteten verschiedene Künstler als Entwerfer, unter anderem Louis Hestaux. Bei der Umsetzung der anspruchsvollen Vorgaben war Gallé bis zum Bau der eigenen Cristallerie 1894 in Nancy im Wesentlichen auf das Savoir-faire der Glasmacher in Meisenthal angewiesen.

In Nancy schließlich beschäftigte Gallé etwa 300 Personen in seiner neu gebauten Cristallerie in der Nähe der Villa Majorelle. 1889 gelang ihm auf der Weltausstellung international der Durchbruch als Glaskünstler, 1894 gründete er eine eigene Glashütte in Nancy.

1897 eröffnete er eine Geschäftsvertretung in Frankfurt, 1900 brillierte er erneut auf der Weltausstellung in Paris mit neuen skulpturalen Konzepten in der Glasgestaltung und etwa 300 Objekten. 1901 engagierte er sich als Gründungspräsident der "École de Nancy".

Vom Einzelstück zur Serienproduktion
Die Nachfrage nach dem unter der Signatur und dem Markenzeichen "Gallé.Nancy" vermarkteten Kunstglas stieg nach dem Publikumserfolg von 1889 rasch an.

Hatte Gallé noch 1884 die Herstellung von Serienprodukten – "à bon marché" - abgelehnt, so änderte er seine Haltung spätestens jetzt. Ab 1889 ging in Meisenthal seriell gefertigtes Kunstglas in die Produktion, dies unter anderem auch, um die Konkurrenz mit der preiswerteren deutschen Importware aufnehmen zu können.

1895 endete die vertraglich geregelte, enge Zusammenarbeit der Firmen Gallé - Burgun, Schverer & Co. vorzeitig: Gallé errichtete eine eigene Kristallerie in Nancy und "nahm" einige der besten Fachkräfte aus Meisenthal gleich mit, den Glashüttenmeister Joseph Burgun und den Emailmaler ("ancien émailleur") Alfred Schaeffer. Die Firma Gallé blieb weiterhin Teilhaberin der Meisenthaler Glashütte, die vereinzelt auch noch später für Nancy arbeitete. 

Vase mit dem Lothringer Doppelkreuz, Gallé
Foto: E. Mendgen

Ateliertür Gallés im Garten des Musée de l'Ecole de Nancy Foto: E. Mendgen

Regionale Identitäten
Sah die französisch-lothringische Avantgarde in Gallé den "verrier lorrain", so fühlten sich die Deutschen dem Idealisten und Regionalisten Gallé verwandt.

Gallés Kunst erfuhr bald jenseits aller politischen Grenzen Anerkennung, ähnlich wie "cette belle industrie", auf deren Infrastruktur das "Modell Gallé" aufbaut.

Nancy galt um 1900 dank Gallé und Gleichgesinnter wie der aus dem von den Preußen annektierten Elsaß-Lothringen geflohenen Gebrüder Daum als bedeutendstes Zentrum der französischen "Kunstindustrie" nach Paris.

Zu Gallés Marktstrategie gehörte darüber hinaus seine ständige Präsenz als Autor und Kritiker. Er arbeitete unermüdlich an der Verbreitung seiner Ideale im In- wie im Ausland, die Teil seiner Unternehmensphilosophie sind.

Dieses "Modell Gallé" wurde von anderen vor Ort ansässigen Künstlern und Unternehmern übernommen, und sein Erfolg sprach sich schnell auch in Deutschland herum.

Nach dem Tode Émile Gallés produzierte die Cristallerie in Nancy unter Leitung seiner Witwe Henriette Gallé-Grimm weiter, ihr folgte 1918 Paul Perdrizet. 1936 stellte die Cristallerie den Betrieb ein.

Sammlungen
Die Glasobjekte Gallés, aus Meisenthal oder Nancy, bilden Schwerpunkte im Musée du Verre et du Cristal in Meisenthal, im Musée de l’Art Nouveau in Nancy und Landesmuseum in Mainz.

 

Gallés Glasofen auf der Weltausstellung von 1900
Kunstglas, Detail, Gallé
Foto: E. Mendgen

Quelle: G. Pazaurek 1901
Vase, Gallé um 1900
Quelle:
Joly Antiquités external link
Glasbehälter, Gallé um 1900
Quelle:
Joly Antiquités external link
Weinglas, Gallé um 1900
Quelle:
Joly Antiquités external link
Glasdose, Gallé um 1880
Quelle:
Joly Antiquités external link
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Quellen


K.H.O. 1903: Moderne-Kunst-Gläser, Daum Frères-Nancy, Kunst und Dekoration, Nov.1903, S.122-123

Marx, Roger 1901: La décoration et les industries d'art à l'Exposition de 1900, in: La Lorraine artiste, 19.  Jg., 1901, S. 84 f. (aus Marx' Aufsatz über die Weltausstellung von 1900, in: Gazette des Beaux-Arts, 24, 1900; 25, 1901

Meier-Graefe, Julius 1896: La Verrerie de Nancy, jugée par un étranger,  La Lorraine Artiste, 18.Oktober 1896,  No.43, S. 414 – 415

Mendgen, Eva 2000: Franz von Stuck et Émile Gallé: stratégies de marché, L’École de Nancy et les arts décoratifs en Europe, Metz, S. 216–225

Mendgen, Eva 2000: Glaskunst im Saarland und in Lothringen / Art Verrier en Sarre et en Lorraine, Hochschule der Bildenden Künste Saar, CD-Rom

Pazaurek, Gustav E. 1901: Moderne Gläser, Leipzig, S. 80-92

Schmoll gen. Eisenwerth, J.A. und H. Schmoll gen. Eisenwerth, geb. Hofmann 1980: Nancy 1900. Jugendstil in Lothringen – Zwischen Historismus und Art Déco, Ausstellungskatalog Münchner Stadtmuseum, Mainz und Murnau

Externe Links


Jardin de Cristal external link