Saint-Quirin

GK119 Saint-Quirin

Glasmacherkapelle Lettenbach von 1756

Cristallerie de Saint Quirin

15. Jh. - 1848

F-57560 Lettenbach/St.-Quirin

Kristall, Flachglas, Spiegel


Die erste Glashütte in Saint Quirin im 15./16. Jh war eine Wanderhütte, die ihren Standort verlegte, wenn das Holz in ihrem Umfeld verbraucht war, wie zu dieser Zeit üblich. Seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts versorgte sie die Lothringer Schlösser mit Glasscheiben und Spiegeln. 1587 betrieb Barthelemy Clezel die Glashütte in Lettenbach. Seine Produkte müssen bemerkenswert gewesen sein, denn er durfte sie dem Herzog von Lothringen präsentieren. 1594 fertigte er die Fenster des herzoglichen Palastes in Nancy. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges 17. Jahrhundert verschwand die Glaserzeugung völlig.

Dom Edmond Herb, der Abt von Marmoutier, erhielt im April 1737 die Genehmigung, 2 Glashütten zu errichten und dafür jeweils 60 Morgen (ca. 33 ha) zu roden. Dom Edmond Herb und Dom Placide Schweighaeuser, Prior von St-Quirin, verpachteten 1739 Renaud für 99 Jahre das Waldgebiet Lettenbach, um dort eine Glashütte für 8 Arbeiter zu errichten. Renaud, der keine Erfahrung in diesem Bereich einbrachte, tat sich zusammen mit Drolenvaux und sie richteten zwei Glashütten in den unerschlossenen Waldgebieten Lettenbach und Basse-des-Charmilles ein. Drolenvaux erhielt Holz, Steine und Sand umsonst.

Drolenvaux engagierte Glasmacher aus Böhmen und ließ Kristall herstellen, das bis dahin teuer in Böhmen gekauft werden musste. Daraufhin genehmigte ihm der König 1749, in einer der beiden Glashütten einen zweiten Ofen für die Erzeugung von Kristall zu errichten. Dieser Ofen wurde in der Glashütte von Lettenbach eingerichtet, wo es genug Wald gab und weiteres Brennholz leicht auf der Roten Saar herangeflößt werden konnte.

Der ungünstigere Standort in Basse-des-Charmilles wurde 1752 aufgegeben und ein weiterer Kristallofen in Lettenbach eingerichtet. Der König verlieh der Hütte die Bezeichnung "Manufacture Royale" und die Kristallerie florierte. 1753 wurde ein weiterer Glasofen eingerichtet, so dass nun zwei Kristall- und zwei Glasöfen betrieben wurden.

1757 übernahm die Abtei Saint-Quirin, die als Grundeigentümer das Unternehmen unter Druck setzten konnte, die Hälfte der Hütte. Die Benediktiner von Saint-Quirin errichteten eine Kapelle für die Glasarbeiter, die 1760 geweiht wurde. Der alternde Drolenvaux überließ je ein Viertel der Kristallerie 1760 Lanfray und 1762 Mena.

1765 versetzte die Gründung zweier Kristallerien in Baccarat und Saint-Louis-lès-Bitche der Kristallerie in Lettenbach einen schweren Schlag. Etwa die Hälfte der Glasarbeiter wurde abgeworben, die Rohstoffpreise stiegen. Im Zuge der französischen Revolution wurden die Priorei und die Hütte Saint-Quirin zum Staatseigentum erklärt, die Pacht lief jedoch weiter. Im Jahr 1800 brach ein Brand aus, der den größten Teil der Gebäude zerstörte. 1815 bewilligte König Louis XVIII den Betrieb des Unternehmens bis zum Ablauf der 99jährigen Pacht im Jahr 1840. Der 54 ha große Wald von Saint-Quirin sollte ausschließlich der Nutzung durch die Glashütte dienen.

Jean-Auguste Chevandier aus dem Dauphiné heiratete die Tochter von M. de Guaita, einem der Hauptaktionäre der Hütte und baute sich in Bertrambois das Château Sainte-Catherine. Als die Pacht 1840 ablief, wurde die Glashütte für 336 100 Francs an die Pachtgesellschaft M. Jean-Auguste Chevandier et Cie. verkauft.

Die Gesellschaft übernahm gegen 1840 auch die Manufacture de glaces de Cirey von M. Nicolas Jeannequin aus Lorquin, und nahm die Bezeichnung Compagnie des Manufactures de Glaces et Verres de Saint-Quirin, Cirey et Monthermé mit Sitz in Paris an. Das Kapital der Gesellschaft in Höhe von 8 Mio. Francs war in 960 Aktien geteilt.

Georges und sein Bruder Eugène Chevandier de Valdrome übernahmen die Gesellschaft von ihrem Vater, der sie 40 Jahre gehalten hatte. M. Jean-Auguste Chevandier starb 1865 im Alter von 84 Jahren in seinem Château Sainte-Catherine. Im Jahr 1848 übernahmen die Manufactures de Saint-Gobain, der große nationale Konkurrent, die Verreries de Saint-Quirin.

Die Glasmacherkapelle von 1756 steht heute noch. 

Château de Sainte-Cathérine, errichtet von dem Glasfabrikanten Auguste Jean Chevandier de Valdrome, Cirey, 1905
Quelle: Hist. Postkarte


Links


Fischer M.D. 1876: Saint Quirin, ses verreries. Mémoires de la Société d'Archéologie en Lorraine external link