Luxemburg

Glas- und Kristallerzeugung in Luxemburg

Eva Mendgen

 
 
Quellen Links

Römerzeit
Die Glasproduktion hat bis ins 20. Jahrhundert hinein für Luxemburg keine besondere Rolle gespielt.

Zwar wurde im Südwesten des Landes 1928 eine römische Glaswerkstatt auf dem Titelberg ausgegraben, und es gibt auch römische Grabfunde, wie die seltene, schöne Schale aus der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts, die heute im Nationalmuseum in Luxemburg-Stadt zu sehen ist.

Die Schwerpunkte der frühen Glaserzeugung lagen jedoch außerhalb der heutigen Grenzen des Landes.

Zu Zeiten der Pax Romana war  Luxemburg Teil der Civitas Treverorum, und für Trier ist zu römischen Zeiten eine rege Glasproduktion nachgewiesen.


Karte: Glas- und Kristallerzeugung

Glas und Kristall

Eva Mendgen, Saarbrücken

Entreprises générales de vitrages et manufacture de glaces
Pierre Blau - Chalois 1926
Quelle: industrie.lu
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Konkurrenz in der Großregion
Bis jetzt gibt es auch für die nachrömische Zeit keine Hinweise auf eine dauerhafte Ansiedlung der Glaserzeugung in Luxemburg, weder im Mittelalter noch zu Zeiten der Industrialisierung im 18. oder 19. Jahrhundert.

Wir können nur vermuten, dass Arbeitskräfte und Kapital aus Luxemburg in diese ab dem 18. Jahrhundert in der ganzen Großregion expandierende Industrie geflossen sind.

Zumindest legt dies das Beispiel der Holsthumer Glashütte in Irrel bei Prüm in der Eifel nahe, heute Rheinland-Pfalz, die auf Initiative von Geschäftsleuten aus Luxemburg 1769 gegründet worden ist – und zwar im Wesentlichen mit Savoir-faire aus Lothringen, konkret dem Bitscher Land.

Diese Glashütte gab aus denselben Gründen auf, aus denen die Ansiedlung von Glashütten in Luxemburg keinen Sinn gemacht haben dürfte: die Konkurrenz aus den alten Glasmachergebieten Wallonien, Lothringen und schließlich der Saarregion war zu groß, und es lag näher, mit Glas Handel zu treiben.

Global Players
Ab den 1920er Jahren bis Mitte des 20. Jahrhunderts produzierte das Unternehmen Pierre Blau Fenster- und Spiegelglas in der Stadt Luxemburg.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist die Glashütte Gremoglas in Grevenmacher belegt, die Christbaumkugeln und ähnliche Dekorationsobjekte produzierte.

Sie hat offensichtlich keine idealen Bedingungen vorgefunden, da sie schon nach zwei Jahren den Standort wieder aufgab.

In den 1980er Jahren entdeckte der amerikanische Glaskonzern Guardian Luxemburg als interessanten Produktionsstandort und etablierte dort vier Fabriken und ein Forschungsinstitut in Bascharage, Dudelange und Grevenmacher.

Als Rohstofflieferant siedelte sich die ebenfalls amerikanische Firma Calumite 1980 in Esch-sur-Alzette an.

Guardian lieferte auch das Glas für das neue Museum für Moderne Kunst in Luxemburg (Mudam). Luxemburg ist heute einer der bedeutenden Standorte der modernen Glasindustrie der Großregion.

Calumite S.A., Glasrohstoffwerk in Esch-sur-Alzette
Foto: Calumite 

Quellen


Thill, G. 1968: Une verrerie gallo-romaine au Titelberg. In: Hémecht 20, 1968, S. 521–528

Dreesen, J. 1998: Industrialisierung in der Südeifel, Schwerpunkt 19. Jahrhundert. Verbandsgemeinde Irrel (Hrsg.) 1998, S. 160–187 

Externe Links


Glasschale im Musée National d'Histoire et d'Art external link

industrie.lu external link