Fenne

GK008 Fenne

Reste der Glashütte in Völklingen-Fenne, 2008
Quelle: Maschke 

Hohlglashütte Fenne

D-66333 Völklingen-Fenne, Saarland


Familie Raspiller

In Vöklingen-Fenne entstand im 19. Jahrhundert eine der bekanntesten Hohlglashütten im Deutschen Reich. Napoleon hatte 1812 die Erlaubnis zum Betreiben einer Glashütte erteilt.

Die Konzession war ursprünglich 1809 für die Wiederinbetriebnahme der älteren Glashütte in Karlsbrunn vorgesehen, setzte aber die Verwendung von Koks zur Befeuerung der Öfen voraus. Die führte zum Standortwechsel nach Fenne, wo es zwei Steinkohlengruben gab. Die große Konkurrenz durch die anderen Hohlglashütten der Region führte im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einer Spezialisierung auf Pressglas.

Heinrich Raspiller, 1834 bis 1884 kaufmännischer und technischer Direktor, baute die Fenner Glashütte zu einem Großunternehmen aus: 1834 beschäftigte die Hütte 100 Arbeiter und vier Schleifer, um 1852 waren es schon über 250 Personen und 1884 dann 450 Personen, darunter 70 Schleifer. 1852 wurde ein dritter Ofen in Betrieb genommen, um 1900 waren es vier Öfen mit je 12 Häfen und einer durchschnittlichen Belegschaft von 800-900 Personen.

1880 wurde die Energieversorgung von Kohle auf Gas umgestellt; 1885 standen zwei Gasometer auf dem Werksgelände und vermutlich verfügte man über die neuen "Siemens'schen Gas-Regenerativöfen" zum Glasschmelzen.

Wasserflasche mit Glas, Service Walküre, Privatsammlung
Quelle: Mendgen/Hildisch/Doucet 2007: Im Reich der Mitte / Le berceau de la civilisation européenne © die argelola regiofactum 

Fabrik von Hirsh und Hammel, heute Schott Glaverbel, Vallérysthal Troisfontaines
Quelle: E. Mendgen 

Die Fachkenntnisse der Familie Raspiller waren nicht nur in Fenne gefragt: Der erste technische Direktor der 1843 gegründeten Cristallerie in Wadgassen war Eugen Raspiller, ein anderes Familienmitglied war nach 1871 Glashüttenmeister in Wadgassen, später dann in Fenne.

Ein weiterer Raspiller war Präsident des Aufsichtsrats der "Verreries réunies de Vallérysthal et Portieux" (Vereinigte Glashütten Vallérysthal und Portieux) in Lothringen.

1903 erwarben die Geschäftsleute Hirsh und Hammel die Fenner Glashütte. Sie waren seit 1887 Eigentümer der Glashütte Dreibrunnen in Vallérysthal-Troisfontaines, die sich auf die Herstellung von Uhren- und Brillenglas spezialisiert hatte.

Fenne war zuvor wegen geschäftlicher Schwierigkeiten in eine GmbH "vormals Raspiller und Co." umgewandelt worden. Der Kauf von Fenne garantierte eine gegenseitige Ergänzung der Produktpalette.

1909 fusionierten die Hütten in Fenne und Dreibrunnen. Es erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft zur "Vereinigten Fenner Glashütte und Glasfabrik Dreibrunnen, Hirsh & Hammel AG" mit Sitz in Dreibrunnen. 

Fenne belieferte jetzt die Glashütte in Dreibrunnen mit Rohglas (Ballonglas) für die Herstellung von Uhrengläsern und Autolaternen. Vor dem 1. Weltkrieg produzierte die Fenner Glashütte ca. drei Millionen kg Hohl- und Pressglas im Jahr. 

Auch in Krisenjahren und unter wieder veränderten politischen Vorzeichen gab man nicht auf: In den 20er Jahren wurde die Fenner Glashütte erneut modernisiert und unter anderem die Pressglasherstellung zum Teil automatisiert. Nach der Weltwirtschaftskrise 1928 unterstützte der französische Glaskonzern Saint-Gobain die Fenner Glashütte finanziell und organisatorisch.

Die Produktpalette der Fenner Glashütte reichte im Jahr 1934 vom (hand)gepressten oder mundgeblasenen Gebrauchsglas, das z.T. veredelt wurde, bis hin zu halb- und vollautomatisch erzeugten Massenartikeln wie Konservengläsern.

Wasserkrug mit Glas, Vereinigte Fenner Glashütte und Glasfabrik Dreibrunnen, Hirsh&Hammel, 1909, Privatsammlung
Quelle: Mendgen/Hildisch/Doucet 2007: Im Reich der Mitte / Le berceau de la civilisation européenne © die argelola regiofactum

Kompottschalen, Saarglas AG, Fenne-Saar, 1935, Privatsammlung
Quelle: Mendgen/Hildisch/Doucet 2007: Im Reich der Mitte / Le berceau de la civilisation européenne © die argelola regiofactum 

Saarglas AG  
1932 erfolgte die unternehmensrechtliche Trennung Fennes von Dreibrunnen, 1934 entstand die "Saarglas AG", 1937 ging die Glashütte in den Besitz der "Röchling'schen Eisen- und Stahlwerke" über.

Hermann Röchling übernahm einen hochmodernen Betrieb, in dem in drei Schichten rund um die Uhr gearbeitet wurde, mit vollautomatischer Fabrikation sowie einem Maschinenpark mit Konservenglasschleiferei und Kontrollapparaten, Kühlofenanlage und Gemengemischerei.

Mit dem Ausbruch des Krieges im Sommer 1939 wurde die Hütte geschlossen. Der Abtransport und Verkauf der Maschinen folgte, das Fabrikgelände wurde für die Rüstungsproduktion "genutzt".

Das Glasmagazin diente als Lager für Zwangsarbeiter. Die Glasmacher wurden, sofern sie dies wünschten, von Röchling übernommen, die kriegswichtige Glasproduktion wurde ins jetzt wieder deutsche Bitscher Land verlagert, z.B. nach Meisenthal und Goetzenbruck.

Erst 1944 wurde die Firma "Saarglas Aktiengesellschaft Fenne-Saar" endgültig aus dem Handelsregister gelöscht. Heute erinnern im Ortsbild von Völklingen-Fenne nur noch einige Glasmacherhäuser und Reste der Fabrikgebäude an die Vergangenheit.

Das Glasmagazin von 1884 wurde 1997 abgerissen, es stand zwar unter Denkmalschutz, war aber durch Bergschäden stark einsturzgefährdet.

Eine schöne Auswahl der Produkte der Fenner Glashütte ist im Glasmuseum im Heimatmuseum im Warndt in Völklingen-Ludweiler zu sehen.

Einmachgläser von Saarglas Fenne
Quelle: Privatsammlung Klarenthal © die argelola regiofactum 

Wohnsiedlung der Fenner Glashütte, Völklingen-Fenne
Quelle: Maschke
 

Quellen


Büch, C. 1957: Die Fenner Glashütte. In: Die Schule, H. 5, Mai 1957, S. 94-106

Glaser, H. und W. Kräuter 1989: Industriesiedlungen, Saarbrücken

Heimatkundlicher Verein Warndt e.V. (Hrsg.) 1999: Die Glashütten im Warndt, Völklingen-Ludweiler

Heimatkundlicher Verein Warndt e.V. (Hrsg.) 2006: Der/Le Warndt, Völklingen

Hiegel, H. 1957: Die Glashütten der deutschen Ballei von 1600 bis 1632, Saarbrücker Hefte 6, 1957, S. 35-49

Mendgen, E. 2009: Der Warndt - SaarMoselle Avenir: Industrie-Kultur-Landschaft aus der Großregion, Versuch einer kritischen Würdigung. In: Luxemburger Wort, 8.05.2009 (Kulturbeilage „Die Warte“)

Nest, P. 1999a: Die Erzeugnisse der Fenner Glashütte und ihre Marken. In: Heimatkundlicher Verein Warndt e.V. (Hrsg.) 1999: Die Glashütten im Warndt, Völklingen-Ludweiler, S. 187-208

Nest, P. 1999b: Versuch einer Katalogisierung der Erzeugnisse der Fenner Glashütte - Die Sammlung Peter Nest und Leihgaben. In: Heimatkundlicher Verein Warndt e.V. (Hrsg.) 1999: Die Glashütten im Warndt, Völklingen-Ludweiler, S. 225-303

Neutzling, W. 1999a: Glashütten und Glasmacher im Warndt. In: Heimatkundlicher Verein Warndt e.V. (Hrsg.) 1999: Die Glashütten im Warndt, Völklingen-Ludweiler, S. 11-153

Neutzling, W. 1999b: Wadgassen. In: Die Glashütten im Warndt, Völklingen, S. 145-147

Neutzling, W. 1989: Die Glasmacherfamilie Raspiller, Saarbrücken

Scharwath, G. 1993: Bouteillen und Trinkgläser. In: Saarbrücker Zeitung 23./24.10.1993

Schoepp, W. 1999: Festtagsjubel auf der Fenner Glashütte im Jahre 1884. In: Heimatkundlicher Verein Warndt e.V. (Hrsg.) 1999: Die Glashütten im Warndt, Völklingen-Ludweiler, S. 163 - 186

Schmitt, A. 1989: Denkmäler Saarländischer Industriekultur, Saarbrücken

Externe Links


Völklingen im Wandel

Der Warndt / Le Warndt

Glasmuseum Warndt, Ludweiler