Steinkohlenbergbau

Rise and fall of hard coal mining (outline)

The coal deposits of the Greater Region are distributed to the Walloon and the Lorraine-Saar coal-pans. The beginnings of hard coal mining date back to the 11th century in the Borinage and the Liège region. After the closing of the last Walloon colliery in 1984 and the last mine in Lorraine in 2004, today the Saar mine in Ensdorf is the last remaining of the Greater Region. Its end is determined for 2012.

Überblick


Der Steinkohlenbergbau spielt eine besondere Rolle für die Entstehung der Großregion. Der 1951 geschlossene EGKS-Vertrag war der erste Schritt auf dem Weg zur Europäischen Union. Der 1969 vom Vorstandsvorsitzenden der Saarbergwerke skizzierte Saar-Lor-Lux-Raum stellt die Vorstufe der Großregion dar.  

Die Kohlevorkommen der Großregion verteilen sich auf zwei Lagerstätten: Den Haine-Sambre-Maas-Kohlengürtel mit Borinage, Centre, Pays Noir und dem Becken von Liège, und die saarländisch-lothringische Lagerstätte, die von Neunkirchen nach Ost-Lothringen einfällt. Nach der Römerzeit ist der Kohleabbau erst im Hochmittelalter wieder belegt, im Borinage im 11. Jh., in Liège und im Centre Ende des 12. Jh., im Pays Noir Mitte des 13. Jh., an der Saar 1430. Nur in Lothringen wurde wegen der tiefer liegenden Flöze erst 1817 Kohle gefunden.

 

Karte: Steinkohlenbergbau 

Steinkohlenbergbau

Malte Helfer, Université du Luxembourg

Fief de Lambrechies / Couchant de Mons

Fief de Lambrechies / Couchant de Mons
Quelle: Alte Postkarte

Im 18. Jh. waren die oberflächennahen Flöze allmählich ausgebeutet. Die Einführung der Dampfmaschine ab 1720 bewältigte die zunehmenden Wasserzuflüsse und erlaubte das Vordringen in die Tiefe. Die notwendigen Investitionen führten zu ersten Fusionen und Betriebsaufgaben.

Der Aufschwung des Bergbaus begann im Borinage, das schon 1789 eine halbe Mio. t förderte. Die mit der Industrialisierung rasch ansteigende Kohlennachfrage motivierte den Bau von Kanälen und ab Mitte des 19. Jh. den raschen Ausbau des Schienennetzes. Mit der Erschließung überregionaler Absatzmärkte begann die Blütezeit des Bergbaus, die Förderung stieg rasant. Das Borinage war Mitte des 19. Jh. das bedeutendste Kohlerevier des Kontinents. In Liège begann der Aufschwung erst um 1830, an der Saar um 1850, in Lothringen um 1900.

 
Ab 1920 erforderten neue, konkurrierende Brennstoffe die Modernisierung und dem Zusammenschluss vieler wallonischer Gruben. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise kam es dort und an der Saar zu einer ersten Stilllegungswelle. In Lothringen dagegen sorgten neue Bergwerke für eine Steigerung der Förderung.

Nach dem 2. Weltkrieg erholte sich der kaum beschädigte belgische Bergbau rasch. Die „Kohlenschlacht“ führte zu einem zweiten Fördermaximum Anfang der 1950er Jahre. In Frankreich wurde der Bergbau verstaatlicht, um die schweren Kriegsschäden zu bewältigen. Das Saarrevier fiel nach dem Krieg unter französische Verwaltung, bis das Saarland 1957 in die BRD eingegliedert wurde.

 

 
Grube Altenwald
Altenwald / Saarland
Quelle: Saarlandmuseum

La Houve 3 / Lorraine

La Houve / Lorraine
Quelle: P. Jegentowicz / J. Urek

Die Ausbeutung der wallonischen Kohlebecken war nach dem 2. Weltkrieg schon weit fortgeschritten. Die ungünstigen Lagerstättenbedingungen erlaubten keine konsequente Mechanisierung. Mit dem EGKS-Vertrag wurde die teure wallonische Kohle der Konkurrenz der Nachbarländer ausgesetzt, so dass eine neue Schließungswelle begann. Der Lothringer Bergbau dagegen hatte seine kurze Blüte in der Nachkriegszeit und erreichte sein Fördermaximum erst 1956. Die Kohlenkrise erzwang ab 1957 weitere Rationalisierungen und die Schließung der meisten Gruben in der Wallonie und im Saarland. Nur in Lothringen, das seine Anlagen unmittelbar vor der Krise modernisiert hatte,  wurden bis 1972 keine Gruben geschlossen.

Mit der Einführung von Schreit- und Schildausbau in Lothringen und an der Saar Ende der 1960er Jahre stieg die Produktivität noch einmal beträchtlich. Dennoch musste der Niedergang des Bergbaus durch staatliche Subventionen abgefangen werden. Die Ölkrisen brachten nur vorübergehend Entlastung. Die kontinuierliche Senkung der Subventionen ab 1996 beschleunigte die schrittweise Schließung der letzten Gruben.

In der Wallonie hatte 1984 Sainte Catherine du Roton als letzte Grube geschlossen, in Lothringen La Houve 2004. An der Saar fördert als letztes Bergwerk der Großregion noch das Bergwerk Saar in Ensdorf, dessen Perspektive höchstens bis 2012 reicht. Insgesamt wurden im wallonischen Revier über die Jahrhunderte rund 2 Mrd. t Kohle gefördert, im Saarland 1,5 Mrd t. und in Lothringen 800 Mio. t.

Volltext

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Quellen


Großregion

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Externe links: 


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Rockstein, A.:  Gruben, Schächte und Stollen im Saarland external link