Tanktourismus

Tanktourismus (Überblick)

Daniel Ullrich (2009)

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Einführung


Die Karte zeigt die Tankstellen in einem 10 Kilometer breiten Streifen entlang der luxemburgischen Grenze sowie die von Tankstellen freien Räume in den Grenzräumen der Nachbarstaaten des Großherzogtums.

 

Überblick


Das Großherzogtum Luxemburg verfügte im Jahr 2008 über 238 Tankstellen (GPL 2008). Allein 167 davon - knapp drei Viertel - liegen in unmittelbarer Nähe zur Landesgrenze. Da Luxemburg ein flächenmäßig relativ kleiner Staat ist, könnte man argumentieren, dass alle Tankstellen grenznah liegen. Es ist jedoch eine spezielle Differenzierung festzustellen:

Im Landesinneren orientieren sich die Tankstellenstandorte vorwiegend an der Bevölkerungsverteilung und dem Hauptverkehrsnetz. Hoch ist die Tankstellendichte im Raum Luxemburg-Stadt, dem Zentrum und wichtigsten Verkehrsknotenpunkt des Großherzogtums, auf den die Autobahnen A1, A3, A4 und A6 radial zulaufen, sowie im dicht besiedelten Süden des Landes, der von der A13 von Ost nach West durchquert wird.

Weniger Tankstellen sind im dünn besiedelten und verkehrlich bisher noch schlecht erschlossenen Norden des Landes zu finden. Der Hauptverkehrsweg nördlich von Ettelbruck ist nur eine Nationalstraße (N7), entsprechend fehlt auch eine Autobahnanbindung an die Nachbarländer.

Karte: Tanktourismus

Tanktourismus

Daniel Ullrich, Saarbrücken

Vergleich der Kraftstoffpreise in der Großregion. Stand: 06.04.09
Quelle: MWV

Im Grenzraum ist die inländische Bevölkerungsdichte nur von nachrangiger Bedeutung für die räumliche Verteilung der Tankstellen. Hier kam es in den letzten Jahrzehnten zu einer unverhältnismäßig hohen Konzentration von Tankstellen als Folge des internationalen Tanktourismus, eines Phänomens, das sich aus dem deutlichen Preisvorteil des Kraftstoffs in Luxemburg gegenüber seinen Nachbarländern ergibt.

Komplementär zu den Tankstellenkonzentrationen an den luxemburgischen Grenzen entstanden in den angrenzenden Regionen Zonen, in denen im Abstand von 10, manchmal sogar über 25 km zur Luxemburger Grenze Tankstellen kaum noch zu finden sind. Nur selten liegen einzelne, oft sehr spärlich ausgestattete, meist ältere Anlagen näher als 10 km zur Grenze. Diese Tankstellen mit zuweilen nur ein oder zwei Säulen bilden typischerweise ein Zusatzangebot von Werkstätten oder Supermärkten und werden so trotz des geringen Umsatzes weiter betrieben.

Der deutliche Preisvorteil der Tankstellen entlang der luxemburgischen Grenze einerseits sowie der Mangel an eigenen Versorgungspunkten andererseits, zwingen insbesondere die im engeren Grenzraum lebenden Menschen inzwischen geradezu dazu, in Luxemburg zu tanken. 

Entscheidend für die Verteilung der Tankstellen im luxemburgischen Grenzraum sind daher die internationale Verkehrsanbindung sowie die Bevölkerungsdichte in den benachbarten Grenzräumen bis zu einer Entfernung von etwa 50 km.

Betrachtet man die Kraftstoffpreise in der Großregion, sollt lässt sich sofort feststellen: Mit einem Preisvorteil von etwa 15 bis 25 Cent je Liter bietet Luxemburg in der Großregion konkurrenzlos günstige Treibstoffpreise, welche vorrangig durch die bewußt deutlich niedriger gehaltene Mineralöl- und Mehrwertsteuer begründet sind.

Davon profitiert nicht nur die einheimische Bevölkerung, sondern vor allem die der Nachbarländer. Täglich wird das Land von einem stetig wachsenden Transitverkehr durchflossen, der auf seinen Routen quer durch Europa ganz gezielt das Großherzogtum zum Tanken anfährt und dafür gegebenenfalls auch Umwege in Kauf nimmt.

Beim Volltanken eines Lkw mit ca. 900 Liter Diesel ergibt sich selbst für die umsatzsteuerbefreiten Fuhrunternehmer eine Ersparnis von rund 200 € gegenüber einer deutschen Tankstelle.

 
Deutsche Tanktouristen in Schengen
Foto: Ullrich 2009

a) Die Tankstellen sind oft unmittelbar an der Grenze lokalisiert (Steinfort)
b) In manchen Grenzorten wird der Lkw-Verkehr zur Belastung (Rodange)
Fotos: Helfer 2009

Weitere Nutznießer der günstigen Besteuerung sind die Tanktouristen aus dem Umland des Großherzogtums.

Sie fahren extra zum Tanken zu den ersten Tankstellen unmittelbar hinter der Grenze, wo sie häufig noch weitere Versorgungseinkäufe in den zugehörigen Shops unternehmen, die eine große Auswahl der ebenfalls steuerlich deutlich günstigeren Genussmittel Zigaretten, Alkoholika, Kaffee usw. vorhalten.

Nicht selten werden dabei Distanzen von 50 oder gar 100 km in Kauf genommen, um von dem Preisvorteil im Nachbarland zu profitieren. Wirtschaftliche Überlegungen werden meist nur im Bereich Preisdifferenz und allenfalls Kraftstoffverbrauch vollzogen. Faktoren wie Verschleiß am Fahrzeug, aufgewendete Zeit oder Unfallrisiko bleiben in der Kalkulation meist außen vor.

Eine weitere wichtige Gruppe, die von den günstigen Kraftstoffpreisen profitiert, sind die rund 150 000 Berufspendler (ADEM 2009), die täglich die Grenze passieren und mittlerweile ca. 40% der Erwerbstätigen im Großherzogtum stellen.

Der größte Teil von ihnen pendelt mit dem Pkw täglich nach Luxemburg und tankt natürlich auch dort, allerdings wie die Einheimischen häufig im Landesinneren, um den Wartezeiten an der Grenze zu entgehen. 

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