Internat. Migration

Internationale Migranten und Migration (Überblick)

 

Birte Nienaber, Ursula Roos (2012)

      Quellen Links

Einführung


Durch die Entwicklungen im Zuge des demographischen Wandels hin zu alternden und ethnisch-differenzierten Gesellschaften kommt der Migration derzeit und in Zukunft eine verstärkte Bedeutung zu. Die Migrationsprozesse sind aber keinesfalls ein Phänomen der Gegenwart, sondern prägten bereits im 19. Jahrhundert die einzelnen Teile der heutigen Großregion. Die Karten zeigen die Ausländeranteile an der Bevölkerung der Gemeinden sowie die Anteile der jeweils fünf wichtigsten Ausländergruppen in den Kreisen bzw. Arrondissements.

Überblick


Hinsichtlich des demographischen Wandels und dem Geburtenrückgang in einigen Teilen der Großregion ist die Migration in den vergangenen Jahren immer bedeutsamer geworden.

Auch das zurzeit zu beobachtende Bevölkerungswachstum in der Großregion ist in erster Linie auf erhebliche Wanderungsgewinne zurückzuführen.

So belief sich zwischen 1990 und 2006 die Nettozuwanderung in die Großregion auf 558 500 Personen, wobei jedoch das Wanderungsgeschehen in unterschiedlichem Ausmaß in den einzelnen Teilregionen die Bevölkerungsentwicklung beeinflusste (vgl. Lübbers 2008, S. 199-200. Anmerkung: Die Quellenangaben beziehen sich jeweils auf alle Absätze seit der vorangehenden Angabe).

Karte: Internationale Migranten und Migration

Karte: Internationale Migranten und Migration

Birte Nienaber, Ursula Roos, Université du Luxembourg

Im lothringischen Dorf Farébersviller waren in den 50er Jahren rund 8 000 Gastarbeiter u.a. aus dem Maghreb und der Türkei angesiedelt worden. Sie errichteten sich in den 70er Jahren ein Kulturzentrum mit einer weithin sichtbaren Moschee.  

Das Großherzogtum Luxemburg erreichte im Jahr 2006 mit einer Nettozuwanderungsquote von 11,3 den höchsten Wert, blieb aber unter Berücksichtigung der absoluten Zahlen hinter Wallonien und Rheinland-Pfalz zurück.

Wanderungsverluste mussten hingegen Lothringen und das Saarland hinnehmen.

Wanderungsgewinne sind im Wesentlichen auf eine positive wirtschaftliche Entwicklung, die wachsende Mobilität der Erwerbspersonen sowie eine förderliche Einwanderungspolitik zurückzuführen (vgl. Lübbers 2008, S. 200-201).

Auch in der Vergangenheit waren in Europa internationale Migrationsprozesse von Bedeutung, die meist mit wirtschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen der Lebensqualität einhergingen.

Dazu gehörten die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte ebenso wie der Zuzug von Asylbewerbern und Flüchtlingen sowie das Grenzgängerwesen.

Das Phänomen der Grenzgänger stellt eine Besonderheit der Großregion dar und ist auf ihre zentrale europäische Lage zurückzuführen.

Erleichtert wurde die grenzüberschreitende Migration vor allem durch gesetzliche Neuerungen wie das Schengener Abkommen, was auch den Arbeitsmarkt jenseits der Grenze öffnete.

Während speziell für Deutschland die Zuwanderung von Aussiedlern sowie Spätaussiedlern charakteristisch ist, werden Lothringen und Wallonien vor allem durch den Zuzug von Personen aus Nordafrika geprägt.

Wanderungssaldo Luxemburgs nach Herkunftsländern 1967-2010 (absolut)
Datengrundlage: Statec o.J.
 

Insbesondere türkische Einwanderer werden häufig als Kleinunternehmer tätig. Türkischer Modeladen im Saarland
Foto: U. Roos

Aufgrund unterschiedlicher historischer und wirtschaftlicher Entwicklungen variieren die Ausländeranteile sowohl innerhalb als auch zwischen den einzelnen Teilen der Großregion.

Den höchsten Ausländeranteil weist mit 43,2 % das Großherzogtum Luxemburg (2011) auf, gefolgt von Wallonien mit 9,3 % (2008), Lothringen mit 7,8 % (2008), Rheinland-Pfalz mit 7,7 (2010) sowie das Saarland mit 7,6 % (2010).