Wallonien

Hochschulwesen in Wallonien

Wolfgang Bethscheider

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Wallonien hat (2010) etwa 3,5 Millionen Einwohner und etwa 45 000 Studenten und Studentinnen. Die ab dem 7. Jahrhundert gegründeten Abteien waren im Mittelalter regelrechte Instrumente der kulturellen Entwicklung. Die Abteien von Gembloux, Stavelot, Lobbes, Orval und Lüttich waren zentrale Orte der kulturellen und wissenschaftlichen Entwicklung Walloniens.

Die erste belgische Universität Löwen external link wurde 1425 von Papst Martin V. gegründet – im Mittelalter war nur der Papst befugt, über die Gründung einer Universität zu entscheiden. Die Universität Löwen brachte im 16. Jahrhundert bedeutende Wissenschaftler wie Erasmus, Vesal oder Mercator hervor. Auch die 1817 gegründete staatliche Universität von Liège war sehr schnell international anerkannt.

Weitere Institute erlangten schrittweise den Universitätsstatus: 1831 ließ sich die Fakultät Notre-Dame de la Paix in Namur nieder (seit 2013 Université de Namur external link; 1834 wurde die im Zuge der Französischen Revolution abgeschaffte katholische Universität Löwen neu gegründet, und 1860 entstand die Fakultät der Agrarwissenschaften in Gembloux external link.

Karte: Hochschulwesen

Karte: Hochschulwesen

Wolfgang Bethscheider, Saarbrücken

Universität Louvain-la-Neuve
1) Neubau der Theologischen Fakultät
2) Naturwissenschaftlich-technische Bibliothek
Fotos: 1)
cc Jean-Pol Grandmont, 2) cc J. Nélis

Mit dem Aufflammen des Regionalbewusstseins in Flandern und der folgenden Sprachteilung veränderte sich die Universitätslandschaft in Belgien im 20. Jahrhundert. Unter anderem wurde die ehemals zweisprachige Uni Löwen geteilt: Die Flamen behielten Leuven external link, aus den französischsprachigen Fakultäten wurde dann 1968 die Katholische Universität in Louvain-La-Neuve external link (Neu-Löwen) gegründet.

Die Hochschul- und Universitätsausbildung Walloniens ist heute auf neun Universitäten und zahlreiche weitere Hochschulen verteilt. Für das Universitätsstudium werden Studiengebühren erhoben.

Die wichtigsten Standorte sind Liège mit 13 Hochschulen, Mons mit zehn, Namur mit fünf, Tournai mit vier, Louvain-la-Neuve mit drei sowie Charleroi mit zwei Hochschulen. Die bedeutendsten Hochschulen Walloniens sind die Katholische Universität Louvain external link (UCL) und die staatliche Universität Liège external link (ULg).

Die Katholische Universität Louvain external link (UCL) mit über 23 000 Studierenden besitzt neben Louvain-la-Neuve weitere Standorte in Woluwe-St-Lambert (Medizin), Saint Gilles und Tournai.

Sie ist gegliedert in die Fakultäten Philosophie, Theologie, Sprach und Literaturwissenschaften, Geschichte, Kunst und Archäologie, Informations- und Kommunikationswissenschaften, Politik- und Sozialwissenschaften, Recht, Kriminologie, Wirtschaftswissenschaften, Psychologische und Erziehungswissenschaften, Medizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Biomedizinische und pharmazeutische Wissenschaften, Sport- und Bewegungswissenschaften, Naturwissenschaften, Agrar- und Bioingenieurwissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften. 

Die staatliche Universität Liège external link (ULg) mit rund 17 000 Studierenden besitzt zwei Außenstellen in Arlon (Département des Sciences et gestion de l'Environnement - Surveillance de l'environnement - Atmosphères polluées, Arlon external link) und Gembloux (Faculté des Sciences Agronomiques Gembloux external link, FSAGx).

Im Zuge ihrer Erweiterung bezog die stetig wachsende Universität Anfang der 1960er Jahre einen neuen Campus in Sart-Tilman. Die Gliederung in Fakultäten ist dieselbe wie bei der UCL, jedoch verfügt sie als staatliche Universität über keine theologische Fakultät.

Deutlich kleiner sind die staatliche Universität Mons external link (UMONS) mit einem zweiten Campus in Charleroi mit zusammen gut 5 000, die katholische Université de Namur external link (FUNDP, bis 2012 Facultés Universitaires Notre-Dame de la Paix)  mit rund 5 000 Studierenden in der Regionalhauptstadt Namur und die katholische Universität Facultés Universitaires Catholiques de Mons external link (FUCAM) mit etwa 1 500 Studierenden.

Die Universitäten gehören Akademien an, so die katholische Universität Louvain, die Facultés universitaires Notre-Dame de la Paix in Namur und die Facultés universitaires catholiques de Mons der Académie universitaire "Louvain" external link, die Universität Liège der Académie universitaire "Wallonie-Europe" external link  und die staatliche Universität Mons der Académie universitaire "Wallonie-Bruxelles" external link.

Universität Liège, gegr. 1817,
1) Zentralgebäude
2) Fac. Sciences appliquées
Quelle: © ULg/Houet

Hochschulträger
In der Aufgabenteilung innerhalb des belgischen Föderalsystems liegt die Kompetenz für die Bildung grundsätzlich bei den Sprachgemeinschaften, die denn auch die meisten Hochschulen tragen. Die Französische Gemeinschaft (seit 2012 Fédération Wallonie-Bruxelles external link) hatte ab 1995 die zahlreichen höheren Bildungseinrichtungen in Hautes Ecoles zusammengefasst.

Daneben gibt es einige freie Bildungsträger, unter denen vor allem die katholische Kirche eine bedeutende Rolle spielt. Im Zuge des Bologna-Prozesses kam es in den Jahren von 2007 bis 2010 zu zahlreichen Hochschulfusionen.

Die Fédération Wallonie-Bruxelles external link trägt heute die Université de Liège external link (ULg), die Université de Mons external link (UMONS) in Mons und Charleroi, die Hochschulen Haute Ecole en Hainaut external link (HEH, bis 2011 Haute Ecole de la Communauté Française en Hainaut, HECFH), die Haute Ecole de la Communauté Française du Luxembourg "Robert Schuman" (HERS) in Arlon und Libramont, die Haute Ecole de la Communauté Française de Namur "Albert Jacquard" (HEAJ), die 2008 aus der Fusion der Haute Ecole mosane d’Enseignement supérieur (HEMES) und der Haute Ecole ISELL hervorgegegangene Haute Ecole libre mosane external link (HELMo) mit jetzt insgesamt  5 600 Studenten und 720 Mitarbeitern an den Standorten Liège, Loncin, Verviers, Theux und Huy sowie die Haute Ecole Charlemagne external link (HECH) mit den Standorten ISIa Gembloux external link, ISPE Huy external link, ISIa Huy external link, Les Rivageois Liège external link, Biologie médicale Liège external link, Isipack Liège external link sowie ISPE Verviers external link.

Die Fédération trägt ferner die Musik- und Kunsthochschulen Conservatoire royal de Liège external link, Conservatoire royal de Mons external link und die Ecole Supérieure des Arts Plastiques et Visuels de la Communauté Française external link (ESAPV) in Mons.

1) Universität Mons, Gebäude Mendeleïev
2)
Haute Ecole de la Ville de Liège
Fotos: 1) danalu3
gnu-FDL external link
2) E. Dodémont

2007 wurden die beiden Hochschulen der Provinz Namur Haute Ecole namuroise catholique (HENaC) und Haute école d’enseignement supérieur de Namur (IESN) zusammengefasst zur Haute Ecole de Namur external link (HENam) mit 4 000 Studenten an fünf Standorten in Namur, Malonne und Champion. Sie ist eine freie katholische Hochschule, die von der Französischsprachigen Gemeinschaft unterstützt wird.

2009/2010 wurden die Architekturhochschulen der Französischsprachigen Gemeinschaft als neue Fakultäten in die Universitäten eingegliedert. Die Hochschulen Lambert Lombard external link (ISALL) und Saint-Luc external link (ISA) wurden der Universität Liège external link angegliedert, das Institut Supérieur d' Architecture Intercommunal Mons external link (ISAI) der Universität Mons external link.

Die kleine Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens external link trägt die Autonome Hochschule in der Deutschsprachigen Gemeinschaft external link (AHS-DG) in Eupen mit den Fachbereichen Bildungswissenschaften und Pflegewissenschaften sowie eine Musikakademie.

Die katholische Kirche trägt mit der Université Catholique de Louvain external link (UCL) die größte Universität Walloniens, ferner die Université de Namur external link (FUNDP), die Facultés Universitaires Catholiques de Mons external link (FUCAM) und die Haute Ecole Catholique du Luxembourg Blaise Pascal external link (HEBP) in Arlon.

Haute Ecole Libre Mosane (HELMo), Gebäude St.-Laurent © HELMo

1) Institut Supérieur d’Architecture Lambert Lombard (ISALL) © ISALL
2) Haute Ecole Catholique du Luxembourg Blaise Pascal
© HEBP

Die Provinzen tragen die Haute Ecole de la Province de Liège external link (HEPL), die 2007 aus der Fusion der drei Hochschulen der Provinz Liège Léon-Eli Troclet, André Vésale und Rennequin Sualem) entstand und nun 8 000 Studenten und 800 Mitarbeiter an den sechs Standorten Liège, Seraing, Jemeppe, Huy, La Reid und Verviers hat, die Haute Ecole de la Province de Namur external link (HEPN), die Haute Ecole Provinciale de Hainaut external link HEPH Condorcet, die 2009 aus der Fusion der Hochschulen Haute École Provinciale Mons-Borinage-Centre (HEPMBC), Haute École Provinciale du Hainaut Occidental (HEPHO) und Haute École Provinciale Charleroi-Université du travail (HEPCUT) der Provinz Hennegau hervorging und nun insgesamt 8 000 Studenten und 700 Mitarbeiter an sieben Standorten im Hennegau (Mons, Charleroi, Morlanwelz, Saint-Ghislain, Tournai, Ath und Mouscron) zählt, sowie die Académie Provinciale des Métiers external link (APM) in Mons und das Institut Provincial d’enseignement supérieur pédagogique external link (HEPMBC) in Mons.

2008 entstand die Haute Ecole Louvain en Hainaut external link (HELHa) aus der Fusion der drei freien Hochschulen des Hennegau Haute Ecole Roi Baudouin (HERB), Haute Ecole libre du Hainaut occidental (HELHO) und Haute Ecole catholique Charleroi-Europe (HECE). Sie zählt 7 500 Studenten an 16 Standorten in Mons, Louvain-la-Neuve, Charleroi, La Louvière, Fleurus, Gilly, Gosselies, Braine-le-Compte, Jolimont, Loverval, Montignies-sur-Sambre, Mouscron und Tournai.

Von anderen freien Trägern werden die Musik- und Kunsthochschulen Ecole Supérieure des Arts de la Ville de Liège external link (HEL), die Académie des Beaux-Arts de la Ville de Tournai external link (ACA BA), das Institut des Arts de Diffusion in Louvain-la-Neuve external link(IAD), die Ecole Supérieure des Arts Saint-Luc external link (ESA) in Liège und Tournai und das Institut Supérieur de Musique et de Pédagogie external link (IMEP) in Namur unterhalten.

Im Hochschulverbund Pôle Mosan d’Enseignement Supérieur et Universitaire external link sind 2 Universitäten, 10 regionale Hautes Ecoles, 2 Architekturhochschulen, 2 Kunsthochschulen, eine Musikhochschule und 8 Abendschulen aus den belgischen Provinzen Lüttich, Namur und Luxemburg zusammengefasst. Dieser Verbund soll den Austausch zwischen Lehrkräften und Studenten fördern, auf infrastruktureller Ebene zusammenarbeiten und Kooperationen mit anderen Ausbildungsinstitutionen eingehen.

Es handelt sich im Einzelnen um die Universität Liège und die Faculté universitaire des sciences agronomiques de Gembloux sowie die Hochschulen HE Charlemagne, HE de la Communauté française du Luxembourg "Robert Schuman", HE de la Communauté française de Namur "Albert Jacquard", HE de la Ville de Liège, HE de la Province de Liège, HE de la Province de Namur, die HE libre Mosane, die zwei inzwischen zur Universität Liège gehörigen Architekturhochschulen Lambert Lombard und Saint-Luc in Liège, die beiden Kunsthochschulen Académie royale des Beaux-Arts de Liège, Institut supérieur des Beaux-Arts Saint-Luc in Liège und das Conservatoire Royal de Musique de Liège sowie acht Abendschulen (Enseignement supérieur de promotion sociale). 

Haute Ecole Charlemagne HECH-ISPE Verviers

Externe links 


Communauté française de Belgique: Administration générale de l'Enseignement et de la Recherche scientifique external link
(Bei der Nutzung von Statistiken der CF ist zu berücksichtigen, dass sie nicht das deutschsprachige Gebiet Walloniens um Eupen umfasst, dafür aber das außerhalb Walloniens liegende Gebiet der Hauptstadt Brüssel.)

Communauté française de Belgique, Administration générale de l'Enseignement et de la Recherche scientifique: Annuaire des établissements d'enseignement supérieur external link

Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens: Autonome Hochschule in der Deutschsprachigen Gemeinschaft external link

Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens: Bildungsserver external link

Großregion: Hochschulwesen und Forschung in der Großregion external link pdf

Konsortium Wissenschaft trifft Schule external link

Universität der Großregion external link